Dienstag, 10. Juli 2018

Whataboutism Juli 2018







Whataboutism - das ist jenes mehr oder weniger raffinierte Stilmittel in Diskussionen, welches durch Aufgreifen eines anderen Themas das laufende Gesprächsthema auf eine andere Schiene bringen soll, weil einem die Argumente ausgegangen sind.
Besonders geeignet und beliebt ist es, beispielsweise in Debatten über heutige islamistische Terroranschläge empörte Hinweise auf die Kreuzzüge oder Hexenverbrennungen einzuwerfen, oder Raucher gegen Unfalltote auszuspielen, oder Drogenkonsum gegen Fettleibigkeit , u.s.w.....

Heute habe ich u.a. gelesen, daß es "empörend" sei, wenn sich die "ganze Welt" über das Schicksal der  - nunmehr Gott sei Dank geretteten-  thailändischen Jungen kollektiv zur Anteilnahme aufschwinge, aber gleichzeitig(!) keine Anteilnahme an tausenden im Mittelmeer ertrinkenden Menschen zeige.

Bei aller selbstverständlichen Betrübnis über den Tod eines jeden Menschen, der auf mehr oder weniger tragische Weise ums Leben kommt, so gehört zu diesem neuesten Whataboutism  schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu.

Die Eltern der thailändischen Buben haben sicher nicht einen Haufen Geld bezahlt, damit sich ihre Kinder absichtlich in Gefahr begeben, um von bereits Habt Acht stehenden Höhlenrettern spektakulär in Empfang genommen zu werden und dann nach deren Errettung in reicheren Familien untergebracht zu werden.

Wenn also hier nun sogar ein "Enthüllungsjournalist" des Falters(!) meint, er müsse in Angelegenheiten der von ihren Eltern auf die "Flucht" nach Europa gezwungenen, mehr oder eher weniger kleinen Kinder, von den Europäern eine gleichermaßen angebrachte Empathie einfordern, dann ist das schlicht und ergreifend billigster Whataboutism und reine Polemik, mit der er wohl nur seiner eigenen Popularität nützen will.