Sonntag, 3. Juni 2018

Sommertage



Als ich noch jung war, habe ich den Wechsel der Jahreszeiten nur insofern wahrgenommen, als daß man einfach Wintergarderobe und Sommergarderobe hatte und dazwischen war man entweder zu warm oder zu kalt angezogen.
Irgendwann dann, als ich ungefähr 16 war, fiel mir am Morgen zur Schule auf, daß die Kastanien vor dem Schulhaus ein grünes Dach bildeten und daß die Rosen in den Gärten nicht nur wunderschön blühten sondern auch einen unvergleichlichen Duft verströmten, ebenso wie die Linden, welche gerade jetzt wieder die ganze Stadt mit ihrem charakteristischen Geruch überziehen.


Rosen 1

Es ist nun sehr früh Sommer geworden und jetzt, im fortgeschrittenerem Alter, kommen die Erinnerungen an jene Sommer der Kindheit und Jugend zusammen mit den Düften zurück und ein klein wenig bedaure ich, daß ich nicht schon damals diese schönen Eindrücke angemessen zu würdigen wußte.

Sehe ich mir nun die heutigen jungen Menschen an, die ihre Umwelt meist nur noch durch das kleine Display auf ihren Smartphones wahrnehmen – woran werden sie sich einmal erinnern, welche Düfte und Aromen werden in ihnen Assoziationen an die Jugendzeit hervorrufen?
Sind sie nicht zu bedauern, daß sich ihr Wahrnehmungsfeld mehr und mehr auf die Größe eines 5 Zoll Displays beschränkt?


Untersberg Kornfeld

Manchmal denke ich bei der Generation Selfiestick an kleine Hunde, die das erste mal einen Spiegel sehen und dann hinter den Spiegel gehen, um zu schauen, was dahinter steckt. Im Gegensatz zu den Welpen, machen sich viele Menschen nicht einmal mehr die Mühe, das Smartphone wegzulegen und das gerade fotografierte Objekt einmal direkt zu betrachten. Die fotografierten Rosen landen auf instagram, twitter und facebook aber niemand riecht an der Rose,  betrachtet staunend die Weite eines Getreidefelds oder verfolgt  die imposanten Wolken am Himmel.


Rosen 2


Wasser

Sommertage, sie rufen Erinnerungen wach, und manchmal lege ich den Fotoapparat einfach beiseite, schaue nur mit den Augen in die Berge, den Himmel oder das Wasser; denn die schönsten und bewegendsten Bilder brennen sich in die Seele ein und gemeinsam mit den Erinnerungen werden sie wohl am Ende meiner Tage, wenn alle Fotos verblasst und meine Augen trüb und müde sind, noch einmal ein wehmütiges aber hoffentlich zufriedenes Lächeln in mir hervorrufen.

Wolken über Schloß Goldenstein