Sonntag, 18. März 2018

Wie man Werbung nicht macht…

….konnte man die letzten Tage sehen, wenn man die Vorgänge im Vatikan mitverfolgte

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Kurz zusammengefaßt:
Ein gewisser Mons. Dario E. Viganò, Präfekt des Sekretariats für die Kommunikation, erläutert die erste Buchreihe über die Theologie von Papst Franziskus und stellt in einer Pressekonferenz auch einen Brief des emeritierten Papstes Benedikt vor, der offensichtlich dazu dienen soll, diese 11 kleinen Broschüren diverser Autoren positiv hervorzuheben. Wohlgemerkt also, es ist keine theologische Buchreihe geschrieben vom Papst sondern eine Betrachtung über dessen theologisches Wirken.






So weit so gut, oder auch nicht; denn der Brief des Emeritus, der vom Monsignore vorgelesen und auf dem Medienportal des Vatikans in einem schlecht aufgelösten Foto und mit absichtlich verschwommenen Zeilen dargestellt wird, entpuppt sich von Tag zu Tag mehr  als eine bewußt manipulierte PR - Unternehmung und infamerweise hätte dieser Brief, den man von Papst Benedikt XVI. vertraulich(!) – also nicht zur Veröffentlichung gedacht – nie und nimmer für die Bewerbung dieser Heftchenreihe verwendet werden dürfen.
Doch der geschäftstüchtige Monsignore ließ sich in Versuchung führen(!) , las nur den halben Brief vor und wollte so den Eindruck erwecken, daß sogar der Papa Emeritus von diesem Schuber mit 11 Büchlein mehr oder weniger vollkommen unbekannter Autoren begeistert sei.
Dem ist aber nicht so und dem war auch nie so.
Wie man inzwischen weiß, dank des Einsatzes unzähliger italienischer Journalisten sowie dank des Internetportals kath.net und hier insbesondere des von mir hochgeschätzten  Dr. Armin Schwibach,  hat es der emeritierte Papst aus verschiedenen Gründen abgelehnt, zu diesem Elaborat einen öffentlichen Kommentar abzugeben, mit Nachdruck in jenem Absatz, den der Monsignore nicht vorgelesen hat und der auch vom Internetportal  Vatican.news bis zuletzt, also gestern, nicht veröffentlicht worden ist – aus welchen Gründen auch immer.
Seit gestern kann man ihn dort also sehen, wenn man gute Augen hat; denn man hat sich nicht sehr viel Mühe gegeben, den Brief in gut lesbarer Qualität abzubilden. Auch hier wieder mein Dank an kath.net für die Übersetzung des für die Herausgeber der Heftchenreihe doch sehr unerfreulichen Teil des –wohlgemerkt- vertraulichen Briefes:

„Nur am Rande möchte ich meiner Überraschung über die Tatsache Ausdruck verleihen, dass unter den Autoren auch Professor Hünermann ist, der sich während meines Pontifikates damit hervorgetan hat, führende antipäpstliche Initiativen zu unterstützen. Er spielte eine relevante Rolle bei der Veröffentlichung der ‚Kölner Erklärung‘, welche im Zusammenhang mit der Enzyklika ‚Veritatis splendor‘ das päpstliche Lehramt massiv attackierte, besonders in Fragen der Moraltheologie. Ebenso war die „Europäische Theologengesellschaft“, die er gegründet hat, von ihm ursprünglich als eine Organisation der Opposition zum Päpstlichen Lehramt gedacht gewesen. Später hat das kirchliche Empfinden vieler Theologen diese Orientierung verhindert und ermöglicht, dass diese Organisation ein normales Instrument der Begegnung zwischen Theologen wurde.
Ich bin gewiss, dass Sie für meine Absage Verständnis haben werden, und ich grüße Sie herzlich.
Ihr Benedikt XVI.“



So, die Blamage ist nun perfekt.
Blamiert hat sich der Monsignore selbst.
Niemals hätte er diesen Brief verwenden dürfen und niemand hat ihn (hoffentlich!?) gezwungen, für ihn günstig erscheinende Passagen dieses Briefes vorzulesen.
Was mich aber wirklich ärgert, ist die Tatsache, daß nun die üblichen Verdächtigen meinen, den Spieß umzudrehen und die Schuld an diesem vatikanischen #Lettergate, wie der hashtag zu diesem wahrhaft miesen fakenews PR – Gag lautet, in Richtung des emritierten Papstes drehen zu müssen.
Ja, man höre und staune, da gibt es Äußerungen, wie z. B. diese hier:


Also bitte, Herr ARD/BR Korrespondent, was an den Worten “vertraulicher Brief”  haben Sie , ebenso wie der Monsignore aus Rom eigentlich nicht verstanden?

Der langen Ausführung kurzer Sinn:
Wenn man meint, Vertrauliches, für eigene Zwecke mißbräuchlich verwenden zu müssen, dann bedient man sich genau jener Methoden, die dann eben dazu führen können, daß man sich in seinem eigenen Lügengebäude  zu Fall bringt.
Wie heißt es so schön: Du sollst kein falsches Zeugnis abgeben – gerade im Vatikan sollte man das wissen!