Donnerstag, 29. März 2018

Gründonnerstag



Heute ist Gründonnerstag oder der Hohe Donnerstag, mit ihm beginnt das österliche Geheimnis.
An diesem Tag feierte Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl,wusch ihnen in einer Geste der Demut die Füße und ging anschließend mit ihnen auf den Ölberg, wohl wissend, daß einer unter ihnen zum Verräter, ein anderer zum Leugner und der Rest auch noch zu Angsthasen werden würde.
Gründonnerstag und Karfreitag, die Tage des Anstoßes, weil man das, was geschieht, nicht versteht oder auch nicht verstehen will.
Interessanterweise hat sich aus jedem christlichen Fest auch ein weltliches Fest abgeleitet, relativ sinnbefreit und kommerziell aufgepeppt, jedoch mit erkennbaren christlichen Ansätzen in einer säkularisierten Gesellschaft gerade noch als solches identifizierbar und tolerierbar. Bis jetzt; denn durch den gesellschaftspolitischen Wandel müssen nun offenbar auch die lezten christlichen oder auch pseudochristlichen Hinweise entfernt werden. Die Begriffe Ostern (oder Weihnachten) werden sogar zunehmend als störend empfunden, weil sie politisch unkorrekt wären und somit auch die religiösen Gefühle Andersgläubiger oder das allgemeine Wohlbefinden Nichtgläubiger stören könnten.
Man muß sich das schon einmal auf der Zunge zergehen lassen, wie einen lächelnden, schokoladenen  “Traditions- oder Frühlingshasen” : Man entfernt religiöse Begrifflichkeiten einer Religion, um einer anderen keine Empfindlichkeitsstörungen zu verursachen.
Und das Groteske: Viele (Christen) beteiligen sich sogar ganz bewußt an diesem perfiden Selbstdemontagespiel und versuchen, mit Rechtfertigungen wie “aber das hat doch schon lange nichts mehr mit Christentum zu tun” oder “ das ist ja nur noch reiner Kommerz” die voranschreitende Entchristlichung in eine Art notwendig gewordene “Rückbesinnung” umzumünzen.
In Wahrheit ist es nichts als die pure Angst, die einen Großteil der angeblich Toleranten antreibt.
Die Angst nicht ernstgenommen, belächelt oder verfolgt zu werden. Christliche Symbole, auch wenn sie teilweise kommerzialisiert und entstellt worden sind, erregen nach wie vor und nun erneut Ärger und Ablehnung.
So, wie die 12 Apostel vor Angst reißaus genommen haben und ihren Jesus den Verfolgern überließen, genau so nimmt heutzutage ein immer größer werdender Teil unserer europäischen Gesellschaft  reißaus. Aber man flüchtet hier (noch) nicht wegen realer Bedrohung und Verfolgung sondern wegen möglicher Anstößigkeit von Wörtern und Begrifflichkeiten, während in anderen Ländern dieser Erde Christen tagtäglich an Leib und Seele bedroht werden.
Während also beispielsweise eine Asia Bibi seit Jahren im Gefängnis sitzt und auf ihre Hinrichtung warten darf,  machen sich so manche europäische Christen(!)  Gedanken, ob Wörter, die den Begriff Ostern enthalten, nicht korrekterweise aus dem Sprachgebrauch entfernt werden sollen/dürfen, weil diese angeblich nur zur Instrumentalisierung durch politische Strömungen genützt würden und “eigentlich” ja ohnehin nichts mehr mit dem wahren Christentum zu tun hätten.
Ich frage mich manchmal, und gerade an den drei Heiligen Tagen besonders, wieviele Gethsemanes und wieviele Karfreitage man wohl noch braucht, daß Christen sich nicht als praktische caritative Selbstverwirklichungsgruppe sondern  als selbstbewußte Verkünder der Botschaft Christi sehen, die es mit allen Begriffen und Wörtern zu verkünden gilt.


Gründonnerstag Gethsemane Giovanni di Paolo