Mittwoch, 6. Dezember 2017

Nikolaus!



Ein Höhepunkt im Advent meiner frühen Kindheit war zweifelsohne der Besuch des Nikolaus.
Jedes Jahr machte ich mir Gedanken ob er denn wieder käme und ob ich abermals diese gut riechenden, kleinen Orangen (Mandarinen) bekäme, die kleinen Nikolo-Äpfel, die Erdnüsse und diese ganz kleinen einzeln verpackten Milka Schokoladestücke.
Soweit ich mich erinnern kann, kam der Nikolaus bis ich 6 Jahre alt war, dann kam er nicht mehr, weil ich im katholischen Kindergarten, in den ich geschickt wurde (dieser war praktischerweise gleich um die Ecke) erfahren habe, daß der Nikolaus, der da jedes Jahr zu mir gekommen ist, nicht der echte Nikolaus war.
Interessanterweise kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob diese Echtheitsfrage weiter erläutert worden ist oder ob es damit endete, daß ich mein neu erworbenes Wissen meinen Eltern zu Hause an den Kopf geworfen habe und diese Phase somit zu Ende ging. Ich weiß nur noch, daß meine Mutter sich einmal ziemlich verärgert darüber ausgelassen hat, daß man mir nicht wenigstens bis zum Eintritt in die Volksschule, den Kinderglauben an den Nikolaus und an das Christkind gelassen hat.

Wie auch immer, wenn der Nikolaus wieder gegangen ist, habe ich meinen Vater stets gefragt, wohin der Nikolaus denn nun ginge und seine im Nachhinein als süffisant zu betrachtende Antwort war immer: “Jetzt besucht er noch andere Kinder und dann schwimmt er die Salzach hinunter.”

Meine Eltern waren keine praktizierenden Katholiken, sie verwehrten mir aber Gott sei Dank nicht die gute alte, mehr oder weniger katholische Erziehung und wenngleich ich auch von mir selbst aus in einer später revoltierenden Phase äußerst kirchenfern agierte, so habe ich letztlich über die Musik und viele andere Faktoren wieder meinen Platz in der Una Sancta Catholica gefunden.

Der Nikolaus schwimmt  die Salzach hinunter – wenn ich mir diese Worte meines vor fast 10 Jahren verstorbenen Vaters so überlege, haben sie nunmehr, in Bezug auf die heutige katholische Kirche fast etwas Prophetisches:
Nicht nur der Nikolaus schwimmt die Salzach runter, die katholische Kirche oder zumindest einige ihrer Repräsentanten scheinen eifrigst bemüht, die Kirche den Bach runter schwimmen zu lassen.
Die teilweise schon abstrusen Bestrebungen, sich bei Zeitgeistströmungen beliebt zu machen und Dogmen und Lehre zu verwässern, in der irrigen Annahme dadurch mehr Schäfchen halten zu können, haben bis jetzt doch immer nur das Gegenteil bewirkt.

Die Nikoloäpfel und Mandarinen meiner frühen Kindheit haben so süß und intensiv geschmeckt  - heute schmecken sie meist nur schal oder leicht sauer. Sie erscheinen mir wie ein Sinnbild für den Zustand der Kirche dieser Tage: Entmystifiziert, bemüht, möglichst neutral und anbiedernd an die Bequemlichkeit einer enthemmten Gesellschaft zu agieren sowie den moralischen Anspruch an die Bedürfnisse der  Menschen anzupassen, anstatt umgekehrt, einen moralischen Anspruch zu bieten, den es zu erreichen gälte.

Ich wünsche mir zum heutigen Nikolaustag eine Mandarine, die wieder wie eine Mandarine schmeckt und eine Kirche, die nicht zur coolen Eventagentur verkommt, sondern sich ihrer wahren Aufgaben wieder bewußt wird:
Den Glauben zu verkünden und auch zu bewahren.



Nikolaus von Myra Ikone Aleksa Petrov 1294


Bildquelle



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