Sonntag, 28. Mai 2017

Wenn ich …



…….dieser Tage aus höchstem allerbarmherzigsten Munde höre -

„Ich frage die Leute im Beichtstuhl: Gibst du Almosen? Ja. Und ich frage weiter: Berührst du, wenn du das Almosen gibst, die Hand des Obdachlosen? Da wissen viele schon nicht mehr, was sie sagen sollen. Und schaust du ihm in die Augen? - Lieben: Die Fähigkeit, die schmutzige Hand anzufassen und in die Augen zu schauen. Und zu denken: Für mich bist du Jesus. Das ist der Beginn der Mission. Wenn du aber denkst, ich gehe raus und erkläre diesen Dummköpfen, was Religion ist, dann ist es besser, du bleibst zu Hause und betest den Rosenkranz!“ …..

……„Die Leute tragen Namen, keine Adjektive. Wir oft in unserer Gesellschaft werden Leute verachtet und mit Adjektiven benannt: Das ist ein Säufer, dem geb ich nichts. Nie Adjektive auf die Leute kleben! Das kann nur Gott. Nur Gott urteilt. Das tut er am Ende. Mit jedem von uns: Du, komm zu mir, und du, weg von mir. Wir aber, wir dürfen nicht urteilen. Ich gehe in die Mission, um Liebe zu bringen.“…

…..Insofern reinige Mission auch „von dem Gedanken, es gebe eine Kirche der Reinen und eine Kirche der Schmutzigen. Wir alle sind Sünder. Alle Kinder Gottes, und alle Sünder. Mission betrifft uns alle, sie verwandelt uns den Blick.”….


……Italien ist so großzügig. Viele Länder schließen die Türen vor diesen Leuten, die vor Hunger und Krieg davonlaufen und ein wenig Sicherheit suchen – ist das normal? Wenn es nicht normal ist, muss ich mich einbringen, damit das nicht geschieht! Dazu braucht es Mut. Ist es normal, dass es angesichts des Leidens der anderen unsere Haltung ist, die Tür zu schließen? Wenn du nicht den Mut hast, dich einzubringen, dann sei still. Senk den Blick. Und bitte den Herrn um Mut.“

Quelle


- dann muß ich aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen: Es ist leicht, vor laufenden Kameras und umgeben von einem Schwall Sicherheitsmännern einer schmutzigen obdachlosen Hand in die Augen zu sehen. 
Es ist auch noch relativ leicht, dem Apropos Verkäufer regelmäßig einen Geldbetrag zuzustecken und sich mit ihm zu unterhalten.
Es ist aber nicht mehr leicht, wenn man, wie man tagtäglich lesen muß, am Bahnhof von Typen umlagert oder gar belästigt wird, wenn sich z.B. keiner mehr traut einer bedrängten Frau zu helfen, weil sofort Messer oder ähnliches gezückt werden. Da schaut man sich nicht in die Augen, da wünscht man sich, die schmutzigen Hände würden verschwinden.

Ich habe und hatte nie die Absicht, hinauszugehen und irgendwelchen Dummköpfen zu erklären, was Religion ist. Den Rosenkranz bete ich sowieso, obwohl man fast meinen könnte, das sei heutzutage etwas zutiefst Verwerfliches.
Ich habe auch auch dem Apropos Verkäufer schon einen kleinen Rosenkranz geschenkt und ich hoffe, er hat sich wirklich darüber gefreut.

Ich klebe keine Adjektive auf Menschen. Aber ich stelle fest, daß mir z.B.  die unverschuldete Not jener Menschen, in dem großzügigen Italien, die z.B. in Amatrice oder Aquila von einer Naturgewalt getroffen wurden, eben doch  mehr zu Herzen geht als jene, die sich via facebook bei Schleppern eine Reise nach Europa buchen und ganz bewußt in Kauf nehmen, dabei möglicherweise ums Leben zu kommen.

Ich urteile nicht, weder über die Kamikaze Schlauchbootreisenden noch über jene, die mit diesen Menschen auch noch Geld verdienen (und wie man mittlerweile weiß, gehören dazu auch nicht wenige NGOs und sogar die Mafia) , aber mein in päpstlichen Augen offensichtlich sündhaftes empathisches Verständnis macht hier doch sehr wohl Bewertungen, was die angemessene Höhe meines Mitleides betrifft, tut mir leid.
Das hat nichts mit meinem mangelnden Mut oder Willen, mich einbringen zu wollen zu tun. Denn es ist nun mal nicht normal, daß sich Millionen Menschen von einem Kontinent zum anderen aufmachen.
Und darum werde ich weder still sein noch meinen Blick senken.







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Kommentare:

  1. >>Das ist ein Säufer, dem geb ich nichts. Nie Adjektive auf die Leute kleben!<<

    Ein Säufer ist ein Säufer, egal was man zu ihm sagt oder nicht sagt. Wenn ich einem Säufer die finanziellen Mittel bereit stelle, die seine Sucht unterstützt, dann ist das sicher kein Akt der Nächstenliebe oder gar der Barmherzigkeit. Das ist dann nur noch Zynismus.

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  2. Beim Lesen des ersten Absatzes des Zitats schoß mir prompt eine Frage durch den Kopf:
    "Zählt nun, statt die schmutzige Hand anzufassen, dem Inhaber die Möglichkeit zu eröffnen, die Hände heute und zukünftig zu säubern, in den Bereich der verwerflichen moralischen Rigidität?"

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    1. Aber ganz bestimmt. Eine saubere Hand zu halten, ist ganz rigide und allerverwerflichst ideologisch. Nur schmutzige Hände garantieren die richtige Barmherzigkeit.

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  3. Allein die Frage nach Almosen ist schon etwas schräg, wo die rechte Hand doch nicht wissen soll, was die linke gibt.

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