Samstag, 24. September 2016

Lieber Gutmensch!

 

 

Du hast Dir also ein Herz gefaßt und drei männlichen Asylwerbern, die Du voriges Jahr zu Deinem ganz persönlichen Sozialprojekt auserwählt hast, selbstlos in einem Mehrfamilienhaus eine 55 qm große Zweizimmerwohnung, weit weg von Deinem eigenen großen Haus zur Verfügung gestellt.
Ich kann nur spekulieren warum; denn unsere Landesrätin hat gerade festgestellt, daß wir viel zu wenig Flüchtlinge für viel zu viele und lange im voraus zu bezahlende Asylunterkünfte haben.
Aber gut, dann bezahlen wir also diese private Unterbringung im Rahmen Deines ehrgeizigen Sozialprojektes auch noch.
Dennoch komme ich nicht umhin, Dich zu fragen, was Dich wirklich bewegt.
Vielleicht sind die drei ja zu oft bei Dir selbst, in Deinem großen Haus aufgetaucht und wollten unterhalten werden?
Also eher so entertainment mäßig; denn mit Deinem privaten Deutschunterricht und allfälligen Unterweisungen punkto gesellschaftlicher Gepflogenheiten hat es ja wohl bisher noch nicht so ganz geklappt – keiner Deiner drei Schützlinge spricht einen einzigen verständlichen, deutschen Satz, nicht einer hat einen Deutschkurs an der Volkshochschule belegt und so wie es aussieht, wird sich das in absehbarer Zeit auch nicht ändern.
Seit den sieben Wochen, in denen die drei jungen Männer nun in dem Haus weitweg von Dir wohnen, hat man Dich bloß 4 mal hier gesehen und da hast Du Dich von Deinen Dreien lediglich anfüttern und für Deine von der Caritas finanziell unterstützte Großzügigkeit bewundern lassen.
Anmerkungen von Hausbewohnern, daß die kräftigen jungen Männer jeden Tag bis mindestens 13.00 Uhr schlafen, sogar wenn Handwerker in diese Wohnung kommen, weil etwas zu Bruch gegangen ist, tust Du einfach mit Eingewöhnungsschwierigkeiten ab.
Gut, sie waren ja auch erst ein Jahr im Flüchtlingsheim und dort hat man es wohl verabsäumt, zu erklären, daß man bei uns das Tagewerk etwas früher als am Nachmittag beginnt. Des nächtens hingegen sind die Drei munter unterwegs und kommen erst in den frühen Morgenstunden zurück.
Insofern verstehe ich, daß sie weder die Kraft noch Lust haben, untertags ein Deutschbuch in die Hand zu nehmen oder für irgendetwas Sinnvolles zu begeistern sind.
Daran krankt Dein persönliches Sozialprojekt vermutlich.
Ich fürchte, wenn Du Deine Bemühungen für Deine drei, bei uns abgelegten Schützlinge, nicht drastisch erhöhst, dann wird da nichts mehr daraus, es sei denn, Du wolltest sie ohnehin nur elegant loswerden und sie auf lange Sicht gesehen in die österreichische Mindestsicherung integrieren.

Lieber Gutmensch, wenn ich Dir so zuhöre, werde ich das Gefühl nicht los, daß es bei Deinem Sozialprojekt mehr um Dich als um Deine Schützlinge geht.

 

Mit lieben Grüßen

MöwenSelfie 2014-09-16 380 (929x699)


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