Dienstag, 20. September 2016

Lesen!



Das neue Interview-Buch von Peter Seewald und Benedikt XVI.  - das mußte ich haben und nachdem ich die bösartig ätzenden Bemerkungen zu diesem Buch, getätigt von den üblichen Verdächtigen, die auch Robert Kardinal Sarahs großartiges Buch “Gott oder Nichts” mit Verächtlichmachung belegt haben, gesehen habe, wußte ich, daß “Letzte Gespräche” mir bestimmt gefallen würde.
Und so ist es.
Papa Benedetto spricht darin so klar und herzlich, mit Verstand und Gefühl über seine Zeit als junger Theologe, als Professor, als Kardinal und schließlich als Pontifex und auch über seinen Rücktritt, sodaß es wirklich nur bösartigen Gemütern einfallen kann, über diesen “großen Papst” (O-Ton Franziskus!) herzuziehen und ihm gar den Mund verbieten zu wollen, wie man es vor geraumer Zeit aus dem virtuellen Mund, eines selbsternannten Sittenwächters aus Bonn  vernehmen durfte, der sich u.a. damit beschäftigt, vermeintlich böse “Rechtskatholiken” (das sind jene, die sich nicht vom weltlichen mainstream in die katholische Seele pfuschen lassen wollen) an den Pranger zu stellen.
Das ist sicherlich eine hehre und lohnende Aufgabe für einen Politikwissenschaftler und freien Publizisten, mit den Schwerpunkten: Sozialethik, Katholische Kirche, Religionssoziologie, Politik, Journalismus, Demoskopie , mit der man auf jeden Fall Beachtung und Beifall heischen kann, sofern man sich nicht weiter um seinen eigenen Charakterwerdegang scheren braucht/muß/will/kann. 
Ich habe schon “Salz der Erde” und “Licht der Welt” mit großer Freude verschlungen und nun also “Letzte Gespräche”. Und es befällt mich eine leichte Wehmut, weil nun definitiv feststeht, daß dies wohl die letzte Publikation des Papa Emerito ist.
Am Ende des Buches wird Papst Benedikt auf sein Motto “Mitarbeiter der Wahrheit” angesprochen und wie es dazu gekommen sei.
Seine Antwort:

»Es ist so: Man hat ja seit langem die Wahrheit etwas ausgeklammert, weilsie zu groß zu sein scheint.
Die Behauptung “Wir haben die Wahrheit!” ist etwas, was sich eigentlich niemand zu sagen traut, so daß wir auch in der Theologie den Wahrheitsbegriff weitgehend weggelassen haben.
In diesen Kampfjahren, den 70er Jahren, ist mir aber klargeworden:
Wenn wir die Wahrheit weglassen, wofür machen wir dann das Ganze?
Es muß also doch die Wahrheit im Spiel sein.
Wir können zwar nicht sagen: “Ich habe die Wahrheit”, aber die Wahrheit hat uns, sie hat uns berührt. Und wir versuchen, uns von dieser Berührung leiten zu lassen. Mir kam dann dieses Wort aus dem dritten Johannesbrief in den Sinn, daß wir “Mitarbeiter der Wahrheit” sind. Man kann mit der Wahrheit, weil sie Person ist, mitarbeiten. Man kann sich auf die Wahrheit einlassen, versuchen, der Wahrheit Geltung zu verschaffen. Das erschien mir schließlich als die eigentliche Definition des Metiers eines Theologen, daß er, den diese Wahrheit angerührt hat, dem sie zu Gesicht gekommen ist, nun bereit ist, sich von ihr in Dienst nehmen zu lasse, an ihr/für sie mitzuarbeiten.«

Seewald: Mitarbeiter der Wahrheit – wäre eigentlich auch was für ihren Grabstein.

»Schon, ja. Ich würde sagen, wenn’s schon mein Motto ist, kann man’s auch auf den Grabstein setzen«


Wieviel Wahrheit und Weisheit uns doch der Mensch/Theologe/ Professor Josef Ratzinger und schließlich der Papst
Benedikt XVI. offenbart hat!
Und dafür bin ich ihm mein ganzes Leben lang dankbar.
am Schreibtisch


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