Freitag, 12. August 2016

Als ich…



…am Anfang meines Musikstudiums war, jung, verliebt und bereit, die Welt zu verändern, da wollten alle Studenten nur Chopin spielen oder ausschließlich große italienische Opern singen. Bach und Mozart waren für die meisten quasi  die Hürden und Bürden, die man für dieses hehre Ziel in Kauf nehmen mußte.
Die wenigsten von uns sind bei der großen Oper oder den romantischen Klavierkonzerten angekommen, die Welt hat sich nicht wesentlich verändert und ich selbst?
Ich hatte damals schon ein Faible für Mozart und Bach, denn diese Welt war in sich so perfekt und schlüssig, daß es eigentlch nichts zu verbessern gab, eher umgekehrt: Meine Welt wurde so viel besser durch Bach und Mozart und damals wie heute ist es ein Zustand ähnlich einem innigen Gebet, wenn man beispielsweise der Aria von Bachs Goldberg Variationen lauscht und für knappe drei Minuten meint, endlich verstanden zu haben, worauf es wirklich ankommt und es hernach dennoch nicht mit Worten auszudrücken vermag.
Heute bin ich älter, ich liebe, was doch bedeutend tiefer ist als verliebt zu sein, und die Welt hat sich auch ohne mein Zutun verändert.
Wenn ich aber einen kurzen Moment innehalte, um Bachs Aria zu hören, sei es real via CD oder auch einfach nur gedanklich in meinem Inneren die Musik atmen lasse, dann meine ich immer öfter zu verstehen, was Perfektion, Harmonie, Demut und Göttlichkeit bedeutet:
Nur drei Oktaven Stimmumfang und eine einfache polyphone Stimmführung in einer kurzen Aria – ein göttlicher Windhauch, eine sanfte Brise, ein Vorgeschmack auf einen beruhigten, ruhigen Atem ohne jegliche Störung durch weltliches Geplänkel und diabolische Ränke – was für eine tröstliche Vision uns doch da durch Bach geschenkt worden ist…..







Video leider nur auf You Tube zu sehen


Bach Aria_Autograph Goldberg Variationen
Bildquelle (Wiki Commons)

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