Donnerstag, 28. Juli 2016

Gerade Du….als Christ…. solltest doch…



Mein Gott, wie oft hört man doch in letzter Zeit, daß man doch als Christ  “für Flüchtlinge sein sollte” – wobei eine derartige Aussage per se, ja an Dummheit nicht mehr zu überbieten ist; denn als Christ kann ich nicht für Flüchtlinge sein, das hieße ja, daß ich die Ursachen für Flucht bejahen würde – was für ein Nonsen!
Wofür bzw. wogegen kann ich als Christ punkto Flüchtlingsunterbringung sein?
Ich schaue mir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter an.
Was hat er, entzaubert von heutiger Sozialromantik gemacht, um das Gütesiegel der (christlichen) Barmherzigkeit zu verdienen?
Zuerst einmal hat er erkannt, daß ein Mensch erste Hilfe benötigt und ihn, so gut er es konnte, mit den Mitteln versorgt, die ihm (unterwegs) zur Verfügung standen.
Dann brachte er ihn zu einer Herberge, einem Profi also, gab diesem Geld und den Auftrag, sich nun um den Geschundenen zu kümmern. Anschließend zog der Samariter mit dem Versprechen wiederzukommen weiter, falls der Wirt  noch Geld zur Versorgung des Raubopfers benötige.
Was heißt das nun für mich, bezogen auf die heutige Zeit?
Selbstverständlich werde ich mich im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Mittel, um einen Menschen der  offensichtlich Schutz braucht kümmern. Dann bringe ich ihn in eine Unterkunft, die von meinen Steuer- und Spendengeldern finanziert wird und überlasse ihn der professionellen Betreuung. Diese Einrichtungen haben im Gegensatz zum damaligen Wirt, der ja darauf vertrauen mußte, daß der Samariter im Fall des Falles wiederkommt, wesentlich mehr Ressourcen zur Verfügung, sowohl finanziell als auch personell.
Was uns das Evangelium nicht erzählt, ist jener Teil der Geschichte, was aus dem Opfer geworden ist.
Hat es sich erholt und ist dann wieder zurückgekehrt in seinen Heimatort?
Ist es gesund geworden aber hat das Leben in der  Fürsorge derart genossen, daß es seinen “Zustand” hinausgezögert hat, um weiterhin in der Herberge bleiben zu können?War es selbst vielleicht auch kein unbeschriebenes Blatt, bestahl eines Tages den Wirt oder gar Schlimmeres und machte sich dann aus dem Staub?
Es ist nicht so einfach, dieses Gleichnis der Barmherzigkeit.
Es bezieht sich ja lediglich auf einen kleinen Ausschnitt eines Handlungsspektrums, nämlich der Erstversorgung eines Verletzten und der anschließenden Übergabe an einen bezahlten Profi.
Umgelegt auf die Situation, wie sie sich jetzt mit den Flüchtlingen/Migranten darstellt, bleiben hier doch sehr viele Fragen offen und es muß auch einem Christen erlaubt sein, sich Gedanken zu machen, was auf lange Sicht gesehen aus so vielen Menschen werden soll, die zu einem Großteil unter völlig falschen Vorstellungen ihr eigenes Land verlassen haben.
Ich denke, jemandem falsche Hoffnungen zu machen, ihm bei einem sinnlosen, weil gesetzlich nicht gedecktem Unterfangen zu motivieren oder gar zu unterstützen, ist wesentlich unbarmherziger, als ihm klipp und klar zu sagen, daß er keinerlei Chance auf Asyl hat.
Das hat weniger mit christlich oder unchristlich zu tun, das ist vielmehr eine Frage von Aufrichtigkeit und  Vernunft; es sei denn, man will sich bloß selbst in der Rolle des Samariters beweisen und wohlfühlen, was dann aber wiederum hieße, man mißbraucht einen anderen Menschen, um seine eigenen Bedürfnisse nach Anerkennung und Bewunderung zu befriedigen.



Kommentare:

  1. Ein wesentlicher Aspekt wird immer übersehen:
    Ein Mann ging VON Jerusalem NACH Jericho...er WAR also in der Heiligen Stadt, brachte vermutlich seinem HERRN ein Opfer dar, betete , machte vielleicht auch Geschäfte und ging wieder des Weges...Er bezog also GOTT in sein Leben, sein Tun ein!
    Wir machen doch heute alles selber...zumindest glauben wir, dass alle Probleme menschlich lösbar sind...
    Wenn ich Elisabeth -als Christin- "GOTT in SEINER Heiligen Stadt" an die erste Stelle setze, dann wird er auch mir Hilfe angedeihen lassen, wenn ich "unter die Räuber falle"...
    So sehe ich das halt....

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  2. Ja, Gleichnis vom barmherzigen Sarmariter kam mir auch in den Sinn.

    Die Unterschiede zur unmittelbaren und zeitlich begrenzten Hilfe scheinen in der aktuellen Situation tatsächlich nicht wahrgenommen zu werden.

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