Mittwoch, 4. Mai 2016

Wieder da und doch noch immer dort



5 Tage in Rom sind ohnehin nicht viel und werden im Lauf der Jahre sogar immer kürzer.
Das liegt wohl daran, daß man sich mit zunehmendem Alter bewußter wird, wie kostbar Zeit ist und auch weil Rom selbst immer komplizierter wird.
Sei es die General-Audienz oder ein “simpler” Besuch der Messe in der Basilica (es ist klar, daß ich San Pietro meine!?) -  ohne Sicherheitsvorkehrungen, Sicherheitsgate und Kontrolle kommt man heute nirgendwo mehr rein. Überall gibt es Absperrungen, Polizisten/Carabinieri in Uniform, Militär und -wer weiß wie viele- Undercover Polizei.
Und trotzdem, ich nehme alles geduldig in Kauf und als Einzelpilger hat man den Vorteil, daß man an unbeweglichen Gruppen vorbeihuschen oder manchmal mit so einer Gruppe mitgeschleift wird, wohin man als Einzelperson keinen Zugang gehabt hätte und so beispielsweise unangemeldet durch die Porta Santa von San Pietro geht.
Es gibt viel Unerwartetes in der Basilica, so kann es auch passieren, daß man sich zur Beichte vor dem deutschen Beichtstuhl anstellt und nebenan in der italienischen Abteilung einen schlanken Monsignore bei der Confessione knien sieht, der sich dann bekreuzigt, zum Altar entschwebt, um seine ihm auferlegte Buße zu beten. Und dieser liebenswürdige feine Monsignore ist niemand geringerer als Don Guido Marini.
Wer würde erwarten, daß man dann selbst fast eine Stunde im Beichtstuhl kniet, sich so angeregt mit dem Beichtvater über Gott und die Welt unterhalten kann, daß man anschließend Mühe hat, im wahrsten Sinn des Wortes wieder in die Gänge zu kommen?
Doch die Freude trägt einen durch diese wunderbare Stadt und immer wieder hält man staunend inne, über die Fülle und Schönheit, die 2000 Jahre Christentum in Rom hervorgebracht haben.
Unerwartet war es diesmal allerdings auch, daß ausgerechnet nach einem perfektenTag und vielen schönen Fotos, zu denen ich in Gedanken schon den einen oder anderen Blogpost parat hatte, so ein vermaledeiter Pücha im Bus meine Kamera samt all dieser Fotos gestohlen hat. Irgendwann trifft es jeden und nach 17 Romaufenthalten hat’s mich jetzt erwischt. Ich war punkto Taschendiebe vermutlich doch etwas zu unbekümmert geworden.
Aber man wäre nicht wirklich in Rom, wenn man sich dadurch diesen Aufenthalt verderben ließe.
Und ab und zu gibt es schon so einen kleinen Stich im Herzen, der nachdenklich macht:
Man fragt sich, wie lange wird es noch möglich sein, überhaupt nach Rom zu pilgern, sei es aus persönlichen oder auch aus immer wahrscheinlicher werdenden, politischen, unbeeinflußbaren Gründen, die Rom bzw. den Vatikan so verändern und gefährden, daß man als Christ in Rom, oder gar in Europa nicht mehr sicher ist?
Die Zeichen stehen schon länger auf Sturm aber die Masse der auf ihren Smartphones und Tablets herumwischenden walking dead  kann (oder soll?) sie nicht erkennen:
Wie ein gleichgeschaltetes, hirnlos gewordenen Kollektiv rennen sie einem vemeintlichen Glück nach, das sie früher oder später dorthin bringen wird, wo alle Lemminge landen.
Eine Pilgerreise nach Rom bekräftigt mich auch immer wieder, nicht zu schweigen und keineswegs zuzustimmen, wenn laue Hirten und falsche Propheten mit zeitgeistigen Schalmeienklängen die Herde betören und betäuben wollen, oder wenn Politiker sich das Christentum auf ihre Fahnen heften, um daraus Kapital zu schlagen, aber gleichzeitig Hochverrat an allen christlichen Werten begehen.
Eine Pilgerreise nach Rom und kein einziges Foto, doch ich selbst bin wohlbehalten, gestärkt und mit viel Freude im Herzen wieder nach Hause gekommen – was will ich eigentlich mehr?



P.S.: Während ich all meine schönen Eindrücke aus Rom nun zu Hause im Herzen trage und darüber nachdenke, wachsen und gedeihen dero Fünf auf unserem Balkon und werden wohl nicht mehr lange in ihrem sicheren aber sichtlich eng gewordenem Nest bleiben.


So groß!


So groß 2


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