Samstag, 21. Mai 2016

Wahlempfehlungen



Man kann Wahlempfehlungen offen und ehrlich abgeben, so wie es der mittlerweile innerhalb der katholischen Kirche ziemlich einsame Rufer Weihbischof Andreas Laun gemacht hat, indem er auch gleichzeitig die Frage stellte, wie gehirngewaschen die Christen schon wären und man kann es indirekt, also subtil bis subversiv vermitteln, so wie Christoph Kardinal Schönborn, indem man Codewörter benützt, die der anzupreisende Kandidat ebenfalls laufend verwendet oder Assoziationen weckt, an schlechte Zeiten und Regime und den schlimmen Folgen daraus.
Also positive Wahlkampagnen-Schlagwörter für den “wählbaren”  Kandidaten und zeitnahe und zeitferne, negativ besetzte Floskeln, die genau mit dem nicht präferierten Kandidaten in Zusammenhang gebracht werden sollen. 
So durfte ich gestern auf der Seite der Erzdiözese Wien folgendes lesen:

SChönborn Glaubt an dieses Österreich

Ich finde es ja schon merkwürdig, wenn ein Kardinal seine Schäfchen auffordert, an ein Land zu glauben, anstatt an Gott und noch merkwürdiger,  wenn nicht gar dreist, finde ich es, des alten Kanzlers Figl historische Worte aus einer Zeit, die mit dem Hier und Jetzt in keinster Weise  vergleichbar ist, in geläufige Panikmache Rhetorik einzubinden. Wobei ich dem Kardinal vielleicht noch zu Gute halten kann, daß er ja – wie seine Mutter einmal ausgeplaudert hat- kein Mutiger ist und sich schon immer zu arrangieren wußte, was noch lange keine Diplomatie oder Konsensfähigkeit bedeutet, wenn man dabei die eigenen Werte fallen läßt und Haltung verliert.
Denn darum geht es mir hier:
Es muß dem österreichischen Kardinal klar sein, daß die (versteckte) Empfehlung für einen kirchenfernsten Politiker, der ungeniert damit hausieren geht, daß er für Abtreibung, völlige Gleichstellung der Homoehe und Gender einsteht,  nicht nur unredlich ist sondern gleichzeitig auch ein Schreckensbild abgibt, wie es um die Ernsthaftigkeit und das Selbstverständnis der röm. katholischen Kirche Österreichs bestellt ist.
Es geht hier nicht um die Kategorisierung christlich oder unchristlich, nein, es geht darum, daß Teile dieser röm.katholischen Kirche sich nicht nur selbst weit außerhalb positioniert haben, sie wollen auch noch jene bezirzen, die sich noch redlich mühen, den Dogmen der katholischen Kirche gerecht zu werden.
“Viel Angst geht um -   und leider nicht unbegründet”  siniert der Kardinal, der seit Jahren geschickt seine eigenen Ängste auf die Schäflein zu übertragen weiß, der aber jetzt hilflos und furchtsam der Tatsache ins Auge sehen muß, daß möglicherweise ein nie bis kaum kritisiertes,  “kleineres Übel”,  welches in Wirklichkeit aber nicht größer sein könnte,  für sechs Jahre an die Spitze des österreichischen Staates zu wählen sei, weil man sich Jahrzehnte hinaus nicht klar genug positioniert hat.
Ein klerikal österreichisches DIlemma also, das man sich letzlich selbst eingebrockt hat.
Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß man vorerst lieber auf einen Weihbischof dreinhaut und sogar lehrmäßige  vatikanische Noten außer Acht läßt:

Vatikan zu politischer Mitwirkung
Note der Gk zu Politik 2



Wie auch immer die Wahl morgen ausgehen wird, lieber Herr Kardinal:

Haben Sie keine Angst, denn das ist keine christliche Tugend!

und

Schüren Sie keine Ängste, denn das ist die andere Abteilung…


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