Dienstag, 17. Mai 2016

Vermarktungsträume



Wer kennt sie nicht,  diese Szene aus dem Neuen Testament, wo Jesus zornentbrannt die Fieranten und Händler mit einer Geißel aus dem Tempel jagt und deren Buden umwirft:

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus,
dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um.
Zu den Taubenhändlern sagte er:
Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Johannes 2, 15-16

Nun, die Kirche unserer Tage will das Marktgeschäft jetzt auf sich selbst anwenden und sich besser vermarkten, wie es im Marketingjargon so schön heißt und dazu hat man nun in Salzburg den Marketingfachmann Franz Hirschmuggel engagiert, der bisher für eine große Handelskette tätig war:

 

»…In den kommenden zwei Jahren wolle die Kirche eine Sprache finden, um ihre Mitglieder besser zu erreichen, betont Hirschmugl. „Wenn jemand nicht verstanden wird, dann liegt es vielleicht an der Übersetzung. In der Fachsprache nennen wir das ‚Soziolekt‘. In vielen Bereichen hat sich eine eigene Sprache entwickelt, an der viele nicht mehr teilnehmen können. Gut sehen kann man das in Krankenhäusern, wo Ärzte von der ‚Clavicula‘ sprechen und nicht mehr vom Schlüsselbein.“

 

Nur mit einer klaren Sprache könne die Kirche wieder Orientierung geben, räumt auch Erzbischof Franz Lackner ein. „Die Kirche kann so etwas wie ein Leuchtturm sein. Der Leuchtturm ist nicht das Ziel, - das wissen wir - aber er zeigt den Weg zum Hafen. Und da sehe ich in unserer Zeit weit verbreiteter Orientierungslosigkeit eine große Aufgabe der Kirche“, sagt Lackner….« Quelle
 
Ich bin gespannt, wie man etwas so Einfaches und leicht Verständliches, wie beispielsweise Die Zehn Gebote  jenen Menschen neu verkaufen will, die sich schon allein daran stören, daß in Schulen, oder Ämtern Kreuze hängen. Ich bin wirklich neugierig, in welcher leicht verständlichen Sprache Priester und Diakone, die ja eigentlich ohnehin die professionellen hauseigenen Vermarkter (Verkünder) der Kirche wären, über den vielstrapazierten Tellerrand hinausschwappen werden, um die Werte des Christentums den Menschen wieder schmackhaft zu machen, ohne dabei die Suppe mit dem weltlichen Esoterik –Pseudohumanismus-Einheitsbrei so lange zu verwässern, bis kein Salz mehr überbleibt.
Ich fürchte, diese Aktion wird sehr viel Geld und Zeit kosten und am Ende werden doch wieder noch mehr Kirchenaustritte stehen. Wobei der gedankliche Ansatz des Erzbischofs mit der klaren Sprache ja gar nicht so schlecht wäre. Aber es muß gerade die eigene, prägnante Sprache der Kirche sein, die Neugier, Interesse und Erklärungsbedarf weckt und am besten ginge das mit Priestern, Mönchen und Nonnen, die- sichtlich stolz auf ihren Glauben- den Habit tragen, Religionspädagogen und Katecheten, die zuallererst einmal den eigenen Glauben verkünden, anstatt auf die Vorzüge anderer Religionen zu verweisen und letztendlich mit Bischöfen und Kardinälen, die jegliches opportunistisches Politgeplänkel unterlassen, bloß um sich selbst möglichst oft in die Tagespolitik einzubringen.
Wenn ich mir z.B. ansehe, wie viele Katholiken und auch nicht wenige Priester, teilweise sogar höherrangiger Klerus,  in den letzten Wochen einen linksgrünen Politiker umschmeicheln bzw. propagieren, der prinzipiell  für Abtreibung ( bei potenziell behinderten Kindern bis zur letzten Minute vor der Geburt!) und  Euthanasie einsteht, dann frage ich mich,  wie weit der sprichwörtliche Tellerrand denn nicht ohnehin schon abgebrochen ist und wieviel nahrung- und kraftspendende Suppe überhaupt noch im Teller verblieben ist.
Wer ein reines Dienstleistungsunternehmen betreibt, der möge sich vermarkten und verkaufen, wer aber den göttlichen Auftrag hat, den Glauben, das Wort Gottes  zu verkünden, sollte sich bewußt sein, daß Händler- und Fierantentum bereits seinerzeit keinen göttlichen Wohlgefallen gefunden haben.


Wiki Tempelreinigung Rembrandt
Bildquelle Wiki Commons



 
 




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