Dienstag, 1. März 2016

Das Web und wie es uns darstellt



Gestern (und auch noch heute) hat es der ÖVP-Abgeordnete Dr.Marcus Franz in die Twitter Trends geschafft.

Twittertrend Marcus Franz 1.3.2016
(Screenshot 1.3. 08.30 Uhr)

Warum?
Weil er etwas über Angela Markel und ihre Welt geschrieben hat, das sich bestens für die spontane kollektive Schnappatmung der Profi-Empörungsgesellschaft, für die Dauerrötung der Berufs-Fremdschämer und überhaupt für die Betroffenheitsmaschinerie der hauptamtlichen Gesellschaftsregulierer unserer Tage geeignet hat.

»…Die Theorie lautet: Frau Merkel will als die metaphorische "Mutti" des Staates das negative Faktum der nicht vorhandenen oder zu wenigen eigenen Kinder mit der Einbringung vieler, vieler junger Migranten wieder gut machen. Sie schafft damit für die kinderlose Gesellschaft die Kompensation eines Mangels. Die nie geborenen eigenen Söhne werden dazu aus dem Orient geholt und deren Ankunft wird zunächst einmal gefeiert wie eine echte Geburt….«
Ganzer Artikel hier

Nun, eine vielleicht gewagte These; denn ich glaube, daß Frau Merkel auch mit eigenen Kindern, denselben fatalen Schmonzes von sich geben würde.
Diese Sturheit, gepaart mit einem leichten Anflug von Größenwahn und Uneinsichtigkeit, wurde ihr vermutlich schon in die Wiege gelegt, anerzogen oder was auch immer und wäre auch durch das Gebären eigener Kindern mitnichten zu lindern gewesen.
Mutti wäre so oder so Mutti geworden – es ist ihr politisches Markenzeichen und jeder, der sie Sonntag bei Anne Will gesehen und ihr ständiges Mantra vom nichtvorhandenen Plan B gehört hat (einen Plan B zu haben, sei kontraproduktiv, weil man sich dann ja nicht ordentlich auf Plan A konzentriere), der mußte erkennen, daß hier nicht mehr Vernunft, Kalkül oder gar politische Verantwortung, sondern vermutlich erste Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung auf dem Sessel sitzen; es sei denn man ist aus einer Art Selbstschutz heraus bereits zu einer Art Hofschranz mutiert (dieses Wort leitet sich zwar nicht von “Mutti” ab, hat aber gerade in diesem Zusammenhang einen gewissen Reiz!) – dann hat man Merkels gut einstündiges Fabulieren im deutschen Staatsfunk selbstverständlich als Offenbarung empfunden und nicht als  sinnleer und phrasendrescherisches Kaffeetantengeplaudere einer älteren Dame, die leider meint, nunmehr die Geschicke eines ganzen Kontintents und nicht mehr nur die ihres eigenen Staates, in ihre ungeschickten Rautenhände nehmen zu müssen.
So weit so Merkel – so weit Marcus Franz, dessen Ansicht man teilen kann oder nicht, der aber genauso wie Angela Merkel vielleicht nicht gerade die “gottverdammte Pflicht aber doch die  Freiheit (!) hat, öffentlich zu sagen, was er meint – wie jeder andere Mensch in diesem Europa übrigens auch – noch. 
Seltsam hingegen war gestern, daß neben all den übrigen Trends und Erregungen, angefangen von der Oscarverleihung über Donald Trump und Idomeni,  ein fürchterliches Ereignis in Moskau es weder bis maximal kaum  in die deutschsprachigen Erregungscharts geschafft hat:

»….Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die Frau habe „einen Kinderkopf aus einem Paket gezogen und ist schreiend auf der Straße herumgelaufen“.
„Niemand hat es gewagt sich zu nähern, alle hatten Angst“, fügte er hinzu. Die Augenzeugin Aljona Kuratowa sagte dem Sender Doschd TV, sie habe den Kopf gesehen. Die Frau sei auf und ab gegangen und habe „etwas gerufen“. Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, die Frau habe „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) gerufen und damit gedroht, sich in die Luft zu sprengen. Die Augenzeugin sagte, als Polizei und Krankenwagen eintrafen, sei Chaos entstanden – viele Menschen hätten an ein Attentat gedacht. Der Fernsehsender Lifenews berichtete, bei dem Opfer handle es sich um die vierjährige Nastja. Die Kinderfrau habe seit einem Jahr auf das Mädchen aufgepasst. Sie habe die Vierjährige getötet, nachdem sie erfahren habe, dass ihr Mann sie betrüge….«
Quelle: FAZ

Wir dürfen, müssen und können unsere Empörung über schreckliche Dinge auf dieser Welt in die virtuelle Welt hinausschreien.
Die Dinge, über die wir uns erregen und empören sollen(!), sind allzuoft lächerlich, gemessen an dem, was tagtäglich  an tatsächlich Empörenswertem passiert, aber bei weitem nicht so viel Beachtung findet.
Permanent hält uns das Web via Twittertrends einen sehr ehrlichen Spiegel vor, aber vermutlich haben nur wenige den Mut, genauer in  dieses Spiegelbild unserer Gesellschaft zu blicken, denn dann würden sie sehen, daß wir uns  in unserer von Mutti und all den anderen Staatsmüttern und Staatsvätern gut behüteten und (ü)be(r)wachten Welt nicht ganz so unbedarft sicher, kuschelig und wohlbehütet fühlen sollten.


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