Donnerstag, 19. November 2015

Lesen und weinen!



»…Wo sind, an diesem geradezu sommerlichen Novembersonntag, noch leichte Tops und kurze Röcke? Wo ich auch hinsehe, Schleier, Schleier, nochmals Schleier – einfache Kopftücher, Tücher, die auch die Stirn verdecken, und große für den ganzen Körper. Seit Kurzem gibt es in der Straße, die den Namen des kommunistischen Widerstandskämpfers Gabriel Péri trägt, Geschäfte für islamische Kleidung. Sie heißen Dubaï Center oder Daffah – eine blühende Saudi-Firma. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage, was ist schlecht daran?, fragen die Naiven, zu denen ich mich nicht mehr zählen kann. Meine Frau fragt treuherzig: „Haben Sie ein Kopftuch für meine achtjährige Enkelin, die klein für ihr Alter ist?“ Die Verkäuferin zeigt ihr Modelle: „Ich habe eines einer Vierjährigen verkauft.“
Dazwischen liegen Bücher, sie vermitteln gemeinsam mit der „wahabitischen Mode“ den Bekehrungseifer einer islamistischen Randgruppe, deren Ideologie viele, aus Schwäche oder Ignoranz, für die Botschaft des Korans halten. Diese will die „Muslime“ im islamistischen Orbit festhalten, die Gemeinschaft beherrschen, die Abspaltung vom Rest der Gesellschaft zu fördern….« 
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Dieser Artikel ist im Original am Montag in der französischen linken(!) Zeitschrift “Marianne” erschienen und heute in der Print Ausgabe der  “Die Presse” in einer von Anne Catherine Simon übersetzten, gekürzten Version erschienen.
Man kann nur sagen, lesen und weinen: Über die Indolenz gegenüber dieser Entwicklung, die Bereitschaft der Leugnung und die nunmehr bestehende Ohnmacht gegenüber einer, wie es scheint, unabänderlich gewordenen Realität, die anzusprechen in unserer Gesellschaft immer noch sofort mit irgendeiner Phobie erklärt wird.
P.S.: Irgendwie habe ich den Verdacht, daß etwas vorher islamisch sein muß, um islamistisch zu werden. Aber das ist vermutlich auch nur so eine Phobie….
 

Link: Saint-Denis: Wie meine Stadt islamistisch wurde




1 Kommentar:

  1. Lukas 19, 41-44
    41 Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.

    Wir müssen weinen über unsere Dummheit und über die Dummheit unserer Hirten.
    Und nicht nur über die Dummheit sondern auch über unseren Stolz indem wir glauben, alles ohne Gott beherrschen zu können.

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