Samstag, 29. August 2015

Der virtuelle Oberlehrer



Gelegentlich kann man im Netz die Mentalität eines Users besser erahnen, als es derselbige wohl zu verbergen versucht.
Dabei ist es völlig egal, ob er nun mit Klarnamen oder anonym fuhrwerkt.
Den typischen Oberlehrer werde ich immer wieder erkennen, weil er es liebt, sich einzubringen, indem er mit seiner virtuellen Kreide auf jene zeigt und über sie schreibt, von denen er meint, daß sie Verfehlungen begangen haben,
und er ist auf diese meistens oder angeblich von einem seiner Vorzugsschüler (= Petzer/Denunziant) aufmerksam gemacht worden.
Er selbst ist also in Wirklichkeit nicht jener Sittenwächter, der da im Netz herumspioniert, sondern er hat diese natürliche und ihm von Gott gegebene Autorität des Vertrauenslehrers, dem es beschieden ist, aufzuzeigen, was bei wem gerade schief läuft oder schief zu laufen droht.
Und siehe da, ohne selbst in das nun folgende Geschehen groß eingreifen zu müssen, bzw es je gewollt zu haben- dabei könnte man sich ja die Hände schmutzig machen oder sich gar positionieren müssen -  entsteht genau jene Gruppendynamik die beabsichtigt war:
Der selbsternannte Oberlehrer kann dirigieren, koordinieren, sich gelegentlich etwas einbringen, zensieren, empört / neutral/ irritiert/ fremdbeschämt u.s.w. sein und wie einst Pontius Pilatus mit einem selbstgefälligen Lächeln und gutem Gewissen die Horde zum Toben bringen.
Wer ist  diese Horde eigentlich?
Es sind genau jene Menschen, die auch im wahren Leben kein “Hund erschlagen” auslassen.
Es sind solche Personen, die Meinungsfreiheit fordern, aber bei Gedanken, die ihren eigenen, als einzig gültig befundenen Einstellungen diametral gegenüber stehen sofort nach Zensur, Verfolgung, Ausmerzung und Umerziehung rufen.
Im Netz kommt nun diesen Brunnenvergiftern ein ganz wesentlicher Vorteil zugute:
Zwar schreien die selbst ernannten Gedankenzensierer in den diversen Foren immer wieder nach Aufhebung der Anonymität, aber interessanterweise bleiben sie selbst anonym, schreiben oft sogar unter mehreren Identitäten und erwecken dadurch den Anschein einer zahlenmäßig großen Menge.
Und bei so manchem “Oberlehrer” habe ich den Eindruck, daß auch er sich  in dieser getarnten Weise zusätzlich noch einmal in Diskussionen einbringt, um seine “Klasse” am toben zu halten, falls diese vorzeitig ermüden sollte.
Für ihn gibt es anscheinend nichts Schöneres.
Wie gesagt, es erinnert mich an Pontius Pilatus aber auch an Gladiatorenspiele: Die Menge wird zum Kochen gebracht und am Köcheln gehalten; denn der Imperator ergötzt sich weniger am vorgeführten Kampf sondern vielmehr am schäbigen Verhalten seines Volkes.


Baumstumpfgesicht 01



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