Montag, 15. Juni 2015

Leseempfehlung




Heute gebe ich einmal eine Leseempfehlung, nein,  nicht für die heute in Italien  vorschnell veröffentlichte Einstampfversion der neuen Papst Enzyklika, sondern für  Stefan Zweigs »Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam«.

Erasmus von Rotterdam Holbein

Gerade in Zeiten wie diesen, wo ein geeintes Europa und dessen angebliche  Werte täglich unsere Nachrichten dominieren, ist es auch politisch interessant, zu lesen, wie Stefan Zweig in Erasmus quasi den ersten bewußten Europäer erkennt und den  Humanismus durchaus skeptisch unter die Lupe nimmt.

»…Der Humanist als der Vielwissende liebt die Welt gerade um ihrer Vielfalt willen und ihre Gegensätze erschrecken ihn nicht. Nichts liegt ihm ferner, als ihre Gegensätze aufheben zu wollen nach Art des Fanatikers und Systematikers, der alle Werte auf einen Nenner und alle Blumen auf eine Form und Farbe zu bringen sucht; eben dies ist ja das Signum humanistischen Geistes, Gegensätze nicht als Feindschaft zu werten und für alles scheinbar Unvereinbare die übergeordnete Einheit, die menschliche zu suchen….«
Wie es aussieht, leben wir zur Zeit also in einem Europa der Fanatiker und Systematiker und das Paradoxon ist, daß sich die europäische Führungselite bei all dieser Gleichmacherei, die in Brüssel ausgeheckt, wenn nicht gar verbrochen wird auch noch auf humanistische Werte zu berufen wagt.


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