Donnerstag, 2. April 2015

Schau nach bei Benedikt XVI.

 

 

Judas Iskariot hat mich heute beschäftigt und wie schon so oft habe ich eine Antwort bei meinem geliebten Papst Benedikt XVI. gefunden.

Aus der Katechese bei der Generalaudienz am 18. November 2006:


 

»….Warum verriet er Jesus?
Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, als er gesehen habe, daß die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Texte der Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt ausdrücklich: »Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern« (Joh 13,2). Ähnlich schreibt Lukas: »Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3). Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab. Der Verrat des Judas bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis. Jesus hat ihn als Freund behandelt (vgl. Mt 26,50); bei seinen Aufforderungen, ihm auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen, übte er jedoch niemals Zwang auf den menschlichen Willen aus, noch bewahrte er ihn vor den Versuchungen Satans und respektierte damit die menschliche Freiheit.

Die Möglichkeiten der Verirrung des menschlichen Herzens sind in der Tat zahlreich. Der einzige Weg, ihnen vorzubeugen, besteht darin, nicht nur eine rein individualistische, autonome Sicht der Dinge zu pflegen, sondern sich im Gegenteil immer wieder aufs neue auf die Seite Jesu zu stellen und seine Sichtweise anzunehmen. Wir müssen Tag für Tag versuchen, in vollkommener Gemeinschaft mit ihm zu stehen.
Erinnern wir uns daran, daß auch Petrus sich Jesus und dem, was ihn in Jerusalem erwartete, widersetzen wollte, wofür er aber eine strenge Zurechtweisung erhielt: »Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen« (Mk 8,32–33)! Nach seinem Fall bereute Petrus und fand Vergebung und Gnade.
Auch Judas bereute, aber seine Reue artete in Verzweiflung aus und führte so zur Selbstzerstörung. Das ist für uns eine Aufforderung, immer vor Augen zu haben, was der hl. Benedikt am Schluß des grundlegenden IV. Kapitels seiner Regel sagt: »Und an der Barmherzigkeit Gottes niemals verzweifeln«. Wirklich, Gott »ist größer als unser Herz«, wie der hl. Johannes sagt (1 Joh 3,20).
Halten wir uns daher zwei Dinge vor Augen.
Erstens: Jesus achtet unsere Freiheit.
Zweitens: Jesus wartet auf unsere Bereitschaft zur Reue und zur Umkehr; er ist reich an Barmherzigkeit und Vergebung. Wenn wir im übrigen an die negative Rolle denken, die Judas gespielt hat, müssen wir sie der höheren Führung der Ereignisse durch Gott unterordnen. Sein Verrat führte zum Tod Jesu, der die schreckliche Hinrichtung in einen Akt heilbringender Liebe und in die Hingabe seiner selbst an den Vater umwandelte (vgl. Gal 2,20; Eph 5,2.25). Das Verb »verraten« ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das »hingeben« bedeutet. Manchmal ist sein Subjekt sogar Gott selbst: Er war es, der aus Liebe Jesus für uns alle »hingab« (vgl. Röm 8,32). In seinem geheimnisvollen Heilsplan nimmt Gott die unentschuldbare Tat des Judas als Gelegenheit zur vollkommenen Hingabe des Sohnes für die Erlösung der Welt an.….«

 

 

Gethsemane Judas caravaggio

Bildquelle


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