Donnerstag, 9. April 2015

Entweltlichung – bitte sofort!

 

Es ist Ostern, endlich scheint die Sonne, man kann rausgehen und sich den ersten Sonnenbrand auf die Nase holen und wenn man dann müde vor dem PC sitzt, dann fragt man sich, ob dieser schnelle Wechsel von Schneesturm auf Sonnenschein  womöglich dem einen oder anderen katholischen Würdenträgerkopf nicht ganz bekommen ist.

Über Blogger  Peter Winnemöller bin ich auf den Artikel "Eine Zukunftsvision für die Kirche" von Generalvikar Monsignore Klaus Pfeffer, Bistum Essen,  in  der Zeitschrift futur2  (Zeitschrift für Strategie&Entwicklung in Gesellschaft und Kirche)  aufmerksam geworden.

Der Monsignore pfeffert uns da (s)eine Zukunftsvision der Kirche hin, wobei er, der Katholik, es anscheinend strikt vermeidet von der katholischen Kirche zu visionieren, und zeichnet dabei das allerschönste Szenario einer Community, die mich sofort beim ersten Durchlesen an Scientology oder irgendein anderes sektenartiges Konstrukt erinnert hat.
Beim zweiten mal durchlesen mußte ich dann an jenes Buch denken, welches Papst Franziskus so eindringlich empfohlen hat:

Benson Herr der Welt

Eine Zukunftsvision, in der es so gut wie keine Katholiken mehr gibt, in der sämtliche Religionen durch einen gefälligen und politisch beeinflußbaren Brei aus Humanismus und Freimaurertum ersetzt wurden.

Irgendwie kann ich mir nicht helfen, aber die Pfeffer Variante und jene des Science Fiction Romans erscheinen mir äußerst kompatibel und dadurch auch gleichermaßen beunruhigend.

Die finanziell verwöhnte und verhätschelte Kirche in Deutschland (genauso wie in Österreich) sollte endlich und rasch die Freiburger Rede von Papst Benedikt XVI. umsetzen und würde damit sicher auch den Intentionen des jetzigen Papstes Folge leisten. Diese Gremial- und Vorstandschristen mit Managmentqualitäten(!), die von Lebenswirklichkeiten und gesellschaftlichen Anpassungen faseln, wären wie geschaffen, die ersten in der Umsetzung  einer wahrhaftigen und entweltlichten armen Kirche zu werden.

 

»…Sagen wir es noch einmal anders: Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit – und nicht erst in der unsrigen – ein Skandal. Daß der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, daß der Unfaßbare zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort faßbar geworden sein soll, daß der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, daß uns Sterblichen Auferstehung und Ewiges Leben verheißen ist – das zu glauben ist für die Menschen allemal eine Zumutung.

Dieser Skandal, der unaufhebbar ist, wenn man nicht das Christentum selbst aufheben will, ist leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden von den anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens. Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären Skandalon des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdecken.

Um so mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen. Das heißt natürlich nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen, sondern das Gegenteil. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens zu vermitteln. "Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst" (Enzyklika Deus caritas est, 25). Allerdings haben sich auch die karitativen Werke der Kirche immer neu dem Anspruch einer angemessenen Entweltlichung zu stellen, sollen ihr nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen. Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Beziehung zu Gott verkümmert.

Offensein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem Ewigen Leben ein. Leben wir als einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und das Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken….«  (Quelle) 


1 Kommentar:

  1. Dieses Bistum hat seit vielen, vielen Jahren Leute in Positionen gehieft, die man freundlich-british als "eccentric" bezeichnen würde. Fähiger und frommer Nachwuchs wurde frühzeitig ausgesondert und sind nun in anderen Bistümern unterwegs. Dafür haben frühere GVs gesorgt. Der jetzige GV ist ein Produkt dieser Auslese.

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