Sonntag, 12. April 2015

Den Finger in die Wunde legen

 

 

 

Hl.Thomas

 

Dieser Ausdruck aus unserem alltäglichen Leben  und jenem Jesu Christi hat heute eine ganz besondere Bedeutung erfahren.


Vor hundert Jahren wurde mit dem grausamen Genozid an den Armeniern, begangen von den Schergen des osmanischen Reiches,  eine weitere klaffende Wunde in die Menschheitsgeschichte geschlagen. Die Täter von damals und ein Gutteil ihrer heutigen türkischen Nachfolger leugnen nach wie vor dieses Verbrechen.
Einfach so.
Als gäbe es diese schreckliche Wunde nicht.

Umso wichtiger und richtiger war es, daß   Papst Franziskus bei einer Hl. Messe, heute in St. Peter, quasi seinen Finger in diese Wunde gelegt hat.

 

 

 

 

 

»…Liebe armenische Gläubige, heute erinnern wir mit einem von Schmerz durchbohrtem Herzen, aber erfüllt von der Hoffnung auf den auferstandenen Herrn, an das hundertjährige Gedächtnis, an jenes tragische Ereignis, jene ungeheure und wahnsinnige Vernichtung, die eure Vorfahren grausam erlitten haben. Sich an sie zu erinnern ist notwendig, besser noch eine Pflicht, denn wo es keine Erinnerung gibt, hält das Böse die Wunde weiter offen; das Böse zu verbergen oder zu leugnen, ist wie zuzulassen, dass eine Wunde ohne Behandlung weiterblutet!…«  Quelle

 

Den Finger in die Wunde legen, um zu begreifen, was geschehen ist, und begreifbar zu machen, was das Böse anzurichten im Stande ist.
Dann ist Heilung möglich.

Nichts hielte die heutige Türkei davon ab, sich für dieses vor 100 Jahren begangene Verbrechen offiziell zu  entschuldigen und an den heute lebenden Armeniern Wiedergutmachung zu leisten und um Vergebung zu bitten.

Leider sieht die Vergangenheitsbewältigung der Türkei punkto Genozid der Armenier  anders aus. 

 

»… es ist eine menschliche Pflicht, auch das Gedenken der Armenier an die Erinnerung an das Leid, das die Armenier zu jener Zeit durchlebt haben, zu verstehen und es mit ihnen zu teilen…In der Hoffnung auf gemeinsames Gedenken der Toten wünschen wir, dass die Armenier, die unter den Bedingungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts umkamen, in Frieden ruhen, und sprechen ihren Enkeln unser Beileid aus.“…«
Aus einer Mitteilung Präsident 
Erdoğans zum 24. April 2014

 

Wir werden sehen, ob die Chance zu einer aufrichtigen Entschuldigung heuer, genau 100 Jahre nach dem Genozid, vom Türkenführer besser wahrgenommen werden wird als bisher und ob es dann auch endlich zu einer in die Tat umgesetzten Wiedergutmachung kommen wird.

Den Finger in die Wunde legen.
Es dient nicht nur dazu, den eigenen Unglauben zu bewältigen, sehr oft ist es die einzige Möglichkeit, die indolent gewordene Menschheit aus ihrem selbstgefälligen Dauerschlaf und den darin bequem geträumten Pseudoproblemchen wachzurütteln.

 

Papst und armenischer kath.

 
 

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