Montag, 19. Januar 2015

Edel sei der Mensch, hilfreich und Charlie!

 

Das beste Beispiel, wie loyal und gleichzeitig intolerant die allumfassende Toleranz der Gesellschaft unserer Tage ist, bzw. zu sein hat, verdankt die Welt also nun einem feigen islamistischen Anschlag auf die Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdot.

Massenbewegungen in realiter und noch mehr Massen in den virtuellen Realitäten der sozialen Netzwerke bekannten sich dazu Charlie zu sein – und es ist immer noch einen absolutes Muß dieses Bekenntnis vor sich herzutragen, denn anscheinend ist dieser “Club Charlie” zur Zeit die einzig wahre Möglichkeit, Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenrecht zu demonstrieren.
Wer nicht Charlie ist kann kein guter Mensch sein.
Wer selbst Zeitungsherausgeber ist und die neueste Mohammed Karikatur nicht auf sein Cover bringt (die ich persönlich weder besonders gelungen noch witzig im Sinn von Satire finde),  sei kein guter Mensch, intolerant und reagiere genau so, wie es die Terroristen wollen. Denn diese wollen nicht den Islam und all seine netten Gepflogenheiten  in unsere Gesellschaften bringen, nein woher, die wollen uns nur spalten.

???

Den Spalt in unserer Gesellschaft haben wir aber schon längst selbst bewirkt.
Meinungsfreiheit wird nur toleriert, wenn sie in die vorgegebene Richtung marschiert.
Wehe, wenn man nicht mit dem Strom schwimmt, dann wird man vom widerwillig gerade noch geduldetem Kritiker (wovon auch immer!) zum Phobiker und schlußendlich zum Hasser oder Hetzer, wobei Stufe 1 und 2 dieser Abwertungsskala in letzter Zeit ohnehin fast gar nicht mehr zur Verwendung kommen.

Charlie sein ist das Synonym für völlig unhinterfragte Massensolidarität, ein Phänomen, welches mir sehr gut mit den seinerzeitigen Reaktionen auf den Tod von Lady Diana Spencer vergleichbar scheint.
Und der allerbitterste Beigeschmack dieses Hypes ist die Tatsache, daß zur selben Zeit an den terroristischen und kriegerischen Brennpunkten das Morden und der unvorstellbare Greuel hurtig weiter gehen und sich mit diesen tausenden und abertausenden Opfern fast niemand zu solidarisieren, geschweige denn zu identifizieren scheint.
Wann wurde denn die letzte, von ranghöchsten Politikern besuchte Mahnwache  für die Opfer von Boko Haram, IS oder Al Kaida abgehalten?

Die Scheinheiligkeit und Heuchelei eines Großteils der Charlie Bekenner tötet in diesen Tagen auch noch den letzten Nerv echter Toleranz und betäubt die Massen mit selbstgerechtem Aktionismus.
Ja, ich denke sogar,  “JesuisCharlie” könnte das neue “Opium fürs Volk” werden.


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