Mittwoch, 29. Oktober 2014

Nachtrag zu gestern

 

Eigentlich könnte ich zufrieden sein, daß meine gestrige Annahme, ein Dialog mit dem Islam endet so gut wie immer in vorauseilenden und beschwichtigenden Monologen nichtislamischer Weltenerklärer, die meist aus dem christlichen Bereich kommen, nicht nur durch Drewermann sondern auch wieder durch viele Kommentare und Kommentatoren auf diversen Foren und Blogs bestätigt worden ist.
Ich bin es aber nicht.

Gebetsmühlenartig kommen tagtäglich die historischen Erklärungen, à la “was haben wir Christen den Muselmanen alles angetan” (ja was eigentlich und wenn ja, man bedenke wann!), die bildungstechnischen- “ nur ungebildete Moslems interpretieren den Koran so falsch”, dann noch die Armuts- und Ausbeutungskeule (wobei man gerne unter den Tisch fallen läßt, daß IS wohl eine der reichsten Terrororganisationen der Welt ist) und nicht zuletzt dieses blinde und fatale darüber hinwegsehen, daß die Welt im 21. Jahrhundert nicht nur gefährlicher, sondern auch sehr viel kleiner geworden ist und durch uneingeschränkte Reisefreiheit jeder innerhalb kürzester Zeit von A nach B kommen kann und dadurch auch die Bedrohungen durch den Terror immer näher rücken.

Es liegt wohl in der Natur von Weltenerklärern, uns ständig die Welt aus ihrer Sicht erklären zu wollen.
Das geht leicht, ist mit keinerlei Risiko verbunden und man kann zufrieden und wohlgefällig auf sich herabblicken. 
Aber wie wäre es denn, wenn diese alles verstehenden Idealisten und Idealisierer direkt einer zu steinigenden Frau, einer zu köpfenden Geisel oder einem Bus voller Schüler, die bereits im Visier eines Selbstmordattentäters sind, mit genau denselben wohlfeilen Argumenten erläutern, warum sie einfach in Kauf nehmen müssen, daß ihre Peiniger und Schlächter nicht anders können, als sie nun zu ermorden, weil doch seit 1300 Jahren für den echten Islam so viel schief gelaufen ist, weil der meuchelmordende Mob, der die Steine auf sie wirft, einfach zu ungebildet oder von uns fatalerweise zu wenig verstanden wird.

IS, Boko Haram und wie sie alle heißen, sind nicht leugnbare Fakten.
Sie morden und meucheln jetzt, hier und heute und von den Verständniseinwürfen unserer gutmenschlichen Bildungs- und Ökoelite, die sich in völliger Sicherheit demokratischer Länder selbstgerecht und selbstgefällig auf die Schulter klopft, haben die unzähligen Opfer  -  nichts.
Was die Erklärer davon haben, scheint mir aber schön langsam wirklich interessant zu werden.


Keine Kommentare: