Donnerstag, 24. Juli 2014

ABER…



Diese vier Buchstaben können eine vorangegangene Aussage entkräften, in Frage stellen oder einschränken. Besonders gerne, weil doch so nützlich, wird dieses Wort ABER in den letzten Jahrzehnten in Zusammenhang mit Israel und Antisemitismus verwendet.

Nichts mit Antisemitismus zu tun ABER

Wie man sieht, es funktioniert. Poster “xyzxyz” hat mit dieser Ansage gleich ein paar Minuten später überwiegend Zustimmung und noch während ich hier schreibe, schnellen die Daumen hurtig in die Höhe.
Was ist der Anlaß für dieses sehr wohl antisemitische Statement?
Gegen Ende eines Freundschaftsspiels zwischen dem französischen Oberhausclub OSC Lille und dem israelischen Verein Maccabi Haifa in Bischofshofen stürmten gestern abend in der 87. Minute türkischstämmige Bischofshofener das Spielfeld mit mitgebrachten Transparenten auf denen “Fuck Israel” stand und attackierten die israelische Mannschaft.
Eine Mannschaft in der auch ein hoher Anteil an muslimischen Spielern beschäftigt ist.
Laut ORF reagierten die Spieler ebenfalls aggressiv auf diesen Vorfall (mich würde ja interessieren, ob sich das wirklich lediglich auf die israelische Mannschaft beschränkt?) doch schlußendlich konnte das Spielfeld geräumt werden.
Der Antisemitismus ist in Österreich nie “ausgerottet” worden und aus eigener Erfahrung in vielen Diskussionen und Unterhaltungen konnte bzw. durfte ich erleben, daß sich Menschen mit antisemitischer Grundhaltung keineswegs nur in rechten Parteien wohlfühlen.
Gerade in der SPÖ mit dem Sonnenkönig und im obigen Kommentar erwähnten ehemaligen große Vorsitzende Bruno Kreisky (R.i.P) konnte ich die ärgsten Judenhasser entdecken. Und wie man weiß, Kreisky, selbst Jude(!), stieß erstaunlicherweise in das selbe Horn und bekämpfte und verleumdete mit kräftiger Unterstützung durch unseren derzeitigen Hofburgeinlieger UHBP Fischer  beispielsweise Simon Wiesenthal auf allerschäbigste Weise.
Unter bekennenden Sozialdemokraten konnte ich am häufigsten die Aussage hören, “ich bin ja gegen die Nazis, aber so ein kleiner Adi würde uns nicht schaden”.
Manchmal habe ich wirklich den Eindruck, es tut nicht wenigen Sozialisten im innersten Herzen weh, daß man ihnen das “National” vor dem “Sozialismus” weggenommen hat.
In den letzten Jahren hat der Antisemitismus in Österreich eine neue Facette  bekommen.
Man solidarisiert sich mit muslimischen Einwanderern, weil man nach dieser  Vergangenheit natürlich keinesfalls “islamophob” genannt werden will und siehe da, plötzlich hat man ganz legal ein neues altes Feindbild, ohne in ein bestimmtes Eck gestellt zu werden.
Man gibt dem wiedergefundenen Antisemitismus den schönen Namen Israelkritik  und kann, ohne Gefahr zu laufen, der Wiederbetätigung bezichtigt zu werden, walten und schalten wie es beliebt.
Sie kommen also aus ihren Löchern wieder hervor, die Antisemiten, sie solidarisieren sich mit Menschen, die nachweislich den Staat Israel und die Juden schon allein aus rein religiösen Gründen vernichten wollen und sie üben sich auch wieder in Selbstgefälligkeit und maßen sich die Rolle der Überlegenheit an.
»…Artikel 13: Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten; der Nationalismus der Islamischen Widerstandsbewegung ist Bestandteil ihres Glaubens. (...) Für die Palästina-Frage gibt es keine andere Lösung als den Djihad. Die Initiativen, Vorschläge und Internationalen Konferenzen sind reine Zeitverschwendung und eine Praxis der Sinnlosigkeit. Das palästinensische Volk aber ist zu edel, um seine Zukunft, seine Rechte und sein Schicksal einem sinnlosen Spiel zu unterwerfen.«  Aus der seit 1988 bekannten Charta der Hamas

Das ist der gesellschaftsfähige Antisemitismus(!) offen demonstriert im Jahr 2014.
Finanziert, gefördert und gepflegt von Politikergenerationen, denen es keinerlei Unbehagen bereitet, nach wie vor den Juden an allem die Schuld zu geben und Länder wie die Türkei und deren Führer(!) Erdogan, der seine Bürger ja mehr oder weniger zum Kampf und Boykott Israels aufgerufen hat, auch aus genau diesen Gründen hofiert und bauchpinselt.

Kommentare:

  1. Funktioniert die Sache mit dem "Aber" immer?
    Wird es immer so empfunden, verstanden, interpretiert, daß die eigentliche Sache hinter dem Aber steht und die vorgeschickte Behauptung nur zu Immunisierung dient?

    Oben stand das Beispiel: „Ich bin ja gegen die Nazis, aber so ein kleiner Adi würde uns nicht schaden“
    ein anderes Beispiel könnte lauten: „Ich bin für die Nazis, aber was die Antifa macht ist trotzdem gut.“

    Wie wird das nun interpretiert werden?
    Ich würde am liebsten mal eine Badewanne voll Pudding darauf wetten, daß beide Aussagen so interpretiert werden, als stammten sie von einem Nazi.
    Im Ersten Fall, so wird es verstanden, steht das wichtige hinter dem Aber; im zweiten Fall sagt der Sprecher ja selbst (vor dem Aber), daß er für die Nazis ist.

    Oder ist die Sache vielleicht davon abhängig, ob vor dem vor dem Aber eine positive oder eine negative Aussage steht?
    Ist es also vielleicht ein rein syntaktisches Problem?
    Oder ist die Interpretation einfach nur willkürlich, so wie es mir gerade in den Kram passt und wie es zu meiner eignen Einstellung passt?

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    1. Ich meine, zu verstehen, worauf Sie hinauswollen, Herr Niebeck, ABER das ist mir bei dem heutigen Thema ziemlich wurscht. ;-)

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    2. Aber! – Aber! – Mein Lieber…

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