Sonntag, 12. Januar 2014

Heute wird in Salzburg geprotzt–und das ist gut so!


Heute wird in Salzburg der neue Erzbischof Franz Lackner OFM feierlich in sein Amt eingeführt.
Im und um den Dom herrscht höchste Geschäftigkeit, denn der ORF wird die Hl. Messe zur Einführung live übertragen (ORF III).
Diese  Großtat des Staatsfunks muß natürlich dementsprechend angekündigt und gewürdigt werden und im Zuge dieser Lobhudelei hat man den Erzbischof gestern schon vorab für ein kurzes Interview gewinnen können.
EB Lackner Vorbericht
(ORF TV Thek hier für ca 1 Woche)
Und es kam, wie es kommen mußte.
Reporter Karl Kern fiel quasi gleich mit dem Portal in den Dom auf den neuen Bischof drauf und stellte sofort die Frage aller Fragen:
“Wie paßt eigentlich so eine prunkvolle Amtseinführung in diesem Barockkatholizismus, in diesem Prunkkatholizismus mit der Armutsvorgabe des neuen Papstes zusammen?”
EB Lackner:
“Ich glaube schon, daß es irgendwie zusammengeht, nicht leicht, aber es ist eine Spannung, aber diese Spannung halt’ ich für eine sehr produktive. Armut hat nicht nur das Gesicht der Einfachheit der Schlichtheit oder der Bedürfnislosigkeit, Armut kann auch eine bescheidene Schönheit haben, die hier sehr bescheiden…na des stimmt ned…(grinst)..” ..
Karl Kern:
“die hier ein bißl unbescheiden daherkommt…”
EB Lackner:
“…aah…die lange gesucht werden muß, aah, aber es gehört zur Schönheit des Glaubens dazu.”
Es folgt nun gewissermaßen das “obligate Armutsbekenntnis für Medien und PR Anfragen” und der geneigte Zuseher darf beruhigt sein, daß sich auch der neue Salzburger Erzbischof schon alleine aufgrund der Zugehörigkeit zu den Franziskanern ganz der neuen Armuts-, Bescheidenheits- und allem-was-dazu-gehört- Direktive unterordnen wird.
Ich muß dazu sagen, er ist mir nicht unsympathisch, unser neuer Erzbischof, und daß er sich in diesem dämlichen Vorab-Armutsgelöbnis-Interview verheddert hat, zeigt lediglich, daß er kein gewiefter Pressefuchs zu sein scheint.
EB Lackner hat immerhin gesagt, daß Es zur Schönheit des Glaubens dazugehöre.
Stimmt! All diese schönen barocken Prachtbauten, schöne Gewänder und liturgisches Zubehör, welches sich im Lauf der Jahrhunderte angesammelt hat, all dies ist nun einmal vorhanden. Wer sollte es der katholischen Kirche abkaufen wollen?
Reiche arabische Ölscheichs, die muslimische Glaubensgemeinschaft?
Sollen wir in einem Anflug von Selbstzerstörung zu Gunsten der Armen unsere schönen Protzbauten niederbrennen und durch Heustadeln und Mehrzweckhallen ersetzen?
Vielleicht findet sich ja einmal ein vernünftiger Pressesprecher der RKK, der den vordergründigen, dumpfbackigen Protzverächtern erklärt, daß nur wer hat dem, der nichts hat, geben kann.
Und ganz nebenbei, der protzkatholische Barockdom gehört den Gläubigen, also auch mir, und ich persönlich möchte weder unseren Dom noch irgendwelche anderen katholischen Protzereien, die sich im Lauf der Jahrhunderte angesammelt haben missen.
Worauf ich hingegen gut verzichten könnte sind so manche freudlosen und teuer erstandenen Bescheidenheitszeugnisse der letzten Jahre, die uns schlußendlich wesentlich mehr kosten, als der Erhalt so manch vorhandenen Prunks.
In diesem Sinne, alles Gute Herr Erzbischof, und ich hoffe, daß Ihre Amtseinführung -bei aller nunmehr gebotenen Bescheidenheit und Armut- ein einmaliges, prächtiges, katholisches und freudiges Fest werden wird.
Dom Wikicommons


Kommentare:

  1. Also der Herr Domdechant hat gestern im ORF Salzburg aber auch ganz ungefragt betont, dass die barocken Protzgewänder heute in den barocken Protzsakristeischränken bleiben und man auf ausdrücklichen Wunsch des neuen Erzbischofs ganz schlichte, bescheidene benutzen wird. Da ist unser Oberhirte doch aus einem ganz anderen Holz: Kardinal Marx protz ganz ohne schlechtes Gewissen bei jeder Gelegenheit.

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    1. Die bescheidenen "Armutsgewänder" werden extra aus Altötting hergekarrt.
      Geliehene Armut sozusagen. ..

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  2. Der Begriff " ad majorem gloria Dei " ist dem härenen Demutspapsttum ja gänzlich abhanden gekommen. Der

    nächste Papst muss ja zwangsläufig noch eins draufsetzen, wie das wohl wird...

    mary

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  3. Meine Mutter sagte einem (geistlichen!) "Protzverächter" schon vor 15 Jahren ins Gesicht, dass sie ihm nicht wünschte, in Zukunft (wieder) Hl. Messen in Heustadeln und Garagen feiern zu müssen.
    Betretenes Schweigen war ihr Antwort genug!

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  4. Etwas verspätet und desto herzlicher: Gottes Segen für Salzburg und seinen neuen Erzbischof - den Primas Germaniae !!

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