Freitag, 1. November 2013

Allerheiligen

 

Schon als Kind habe ich nie verstanden, warum man ausgerechnet zu Allerheiligen auf den Friedhof gehen mußte, dort fein gekleidet (wenn möglich in Pelz gehüllt) an den Gräbern herumsteht und auf den Bischof wartet, damit dieser die Gräber segnet.
Liegen in all diesen Gräbern Heilige? Und wozu dient denn dann noch der Allerseelentag, wenn ohnehin am Allerheiligentag alles erledigt wird?
Ich habe dann später revoltiert und bin demonstrativ ausschließlich am Allerseelentag auf den Friedhof gegangen. Und so ein bißchen Revolte ist mir geblieben. Ich mag das herausgeputzte und teilweise unbeholfene Herumgestehe der demonstrativen Friedhofsgeher noch immer nicht.

Heilige sind Vorbilder. Sie haben es trotz oder gerade wegen all ihrer Qualen und Martyrien “zu etwas gebracht”.
Bei all der Traurigkeit über ihr ihnen von menschlichem Unverstand und Grausamkeit zugefügtem Elend haben sie letztlich triumphiert, und das ist doch kein Grund, mit langen Gesichtern am Grab eines Angehörigen herumzustehen.

Für mich ist heute ein richtiger Feiertag, ein Jubeltag, mit Kirchenbesuch und Allerheiligenlitanei, mit gutem Essen und “vino santo” und der Zuversicht, daß man trotz aller Widrigkeiten des irdischen Daseins Aussicht auf etwas soviel Besseres und Schöneres hat.

Zum Grab und zum richtigen Totengedenken gehe ich dann morgen.
Meine lieben Verstorbenen werden es verstehen, denn viele von ihnen betonten ihr ganzes Leben, daß sie ja schließlich keine Heiligen wären.

 

 

»…Aber wie können wir Heilige, Freunde Gottes werden?
Auf diese Frage kann man zunächst in negativer Form antworten: Um heilig zu sein, muß man weder außerordentliche Taten und Werke vollbringen noch außergewöhnliche Charismen besitzen. Dann folgt die Antwort in positiver Form: Man muß vor allem auf Jesus hören und ihm dann nachfolgen, ohne angesichts der Schwierigkeiten den Mut zu verlieren. »Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren« (Joh 12,26). Wer Jesus vertraut und ihn aufrichtig liebt, ist bereit, sich selbst zu entsagen wie das Weizenkorn, das in der Erde begraben liegt. Denn er weiß, daß derjenige, der sein Leben für sich selbst zu behalten sucht, es verliert, und daß derjenige, der sich hingibt – der sich verliert – gerade so das Leben findet (vgl. Joh12,24–25). Die Erfahrung der Kirche zeigt, daß jede Form der Heiligkeit, auch wenn sie unterschiedliche Wege geht, immer über das Kreuz, über die Selbstentsagung führt. Die Biographien der Heiligen beschreiben Männer und Frauen, die fügsam waren gegenüber den Plänen Gottes und die manchmal unbeschreibliche Prüfungen und Leiden, Verfolgungen und das Martyrium auf sich genommen haben. Sie harrten aus in ihrem Bemühen; es waren diejenigen – so ist in der Offenbarung zu lesen–, »die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht« (Offb 7,14). Ihre Namen sind eingeschrieben in das Buch des Lebens (vgl. Offb 20,12); ihre ewige Wohnstatt ist das Paradies. Das Vorbild der Heiligen ist für uns eine Ermutigung, denselben Weg einzuschlagen, die Freude desjenigen zu erfahren, der Gott vertraut, denn die einzige wahre Ursache der Traurigkeit, des Unglücklichseins liegt für den Menschen darin, fern von Gott zu leben…«  (Quelle; Predigt Benedikt XVI, 1. November 2006 Petersdom Rom)

All-Saints Fra angelico

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1 Kommentar:

  1. „Warum Diese? Warum Jene? Warum nicht ich?“
    Augustinus stellte die Fragen zu den Heiligen, seine Antwort: Gott mehr lieben als alles.
    Dann klappt das schon mit der Heiligkeit, im Großen oder im Kleinen.

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