Mittwoch, 10. Juli 2013

Nach 24 Jahren…

 

…fast auf den Tag genau als wir den grünen Wicht nach Hause geholt haben, hat er uns gestern völlig unerwartet und plötzlich verlassen. Er hat mit uns im wahrsten Sinn des Wortes kommuniziert, unseren Tagesablauf bestimmt, war ständig auf irgendjemandes Schulter und wir tanzten nach seiner Pfeife. Die Wohnung war nach und nach seine überdimensionale Großraumvoliere geworden, alles interessierte ihn und wurde seiner  berüchtigten Schnabelüberprüfung unterzogen.

Er hat uns als seine vollwertigen Partner akzeptiert, wobei es eine genaue Rangordnung und die dementsprechende Zuweisung wichtiger Aufgaben gab. Einer durfte mit ihm Siesta halten und ihm das “Pratzerl” geben, der andere war der, der das Futter und das Sagen hatte und am meisten begrüßt wurde wenn man von einer Reise zurückkam. Reisen, die wegen des kleinen Gnoms nur noch getrennt unternommen wurden, da man ihn nicht irgendjemand Fremden überlassen wollte, der mit ihm nicht zurechtgekommen wäre. Ja, er wurde richtig verwöhnt und dankte es uns mit Anhänglichkeit, ungeteilter Aufmerksamkeit und erstaunte immer wieder mit Worten, die ihm niemand beigebracht hatte, die er aber genau zum richtigen Zeitpunkt zu verwenden wußte.

Und heute das erste Frühstück ohne den lustigen Sänger, ohne freches Dazwischengequatsche, kein Pfeifen einer Melodie von Mozart und kein Stupsen am Ohrläppchen oder der Wange, um die morgendliche Kraulportion einzufordern.

Sicher wird so mancher sagen, ah geh, des wird scho wieda. Freilich es wird wieder, aber jetzt ist einfach nur zum Heulen, daß dieses intelligente, g’schaftige und so erstaunlich sensible Tierchen, das sich als echtes  Familienmitglied entpuppt hat, so plötzlich nicht mehr da ist….

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Neugier

Brava Vogi2

Kommentare:

  1. Als treue und begeisterte Bellfrell-Leserin darf ich Ihnen mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen!

    Als "Rabenmutter" weiß ich um die Klugheit der Gefiederten.
    "Philemon & Baucis" heißen meine Getreuen, auch schon seit gut 20 Jahren.
    Gestern präsentierten sie uns stolz ihren heurigen Nachwuchs an der Futterschüssel unseres Hühnervolkes...3 kecke Jungraben.

    Liebe Grüße aus dem Süden der Alpen!

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  2. Schönes Tier (leider gewesen) ... ich hoffe aber, das waren nicht die Karten für die Vorstellung der Salzburger Festspiele am folgenden Abend, die da gerupft wurden ...

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  3. Ein Haustier ist durchaus ein Familienmitglied. Papageien sind als intelligente und soziale Tiere bekannt. Auch meinerseits aufrichtiges Mitgefühl.

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  4. Das tut mir wirklich leid zu hoeren! Ich bin auch Vogelliebhaberin (Robin und Tiny waren Wellensittiche) und weiss, wie es ist, wenn ploetzlich der lustig plaudernde kleine Freund nicht mehr da ist. Wirklich zum Heulen.
    Ich stell mir dann immer die Frage, ob die Tiere nicht doch in den Himmel... oje, unglaublich untheologisch, ich weiss. Ich frag mich halt, wenn so ein Tier offensichtlich Liebe gibt, das kann doch nicht einfach so verschwinden, oder? Wie gesagt, unglaublich untheologisch.
    Liebe Gruesse nach Salzburg

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  5. @Alle: Danke für Eure lieben Kommentare!

    @Pro Spe: Das war Gott sei Dank kein wichtiges Dokument, aber im Lauf der Jahre hat der eine oder andere Klavierauszug, der unbedacht liegen gelassen wurde, dank unseres grünen Pfeiffers ein recht eigentümliches Aussehen bekommen.

    @ EvT: Vor den Rabenkrähen hat uns der "brave Vogi" immer mit einem lauten "Grr Grr Grrr" gewarnt.

    @Ursi Wir hoffen auch, daß der Hl. Franziskus irgendwo ein kleines, geheimes Platzerl für solch spezielle "Familienmitglieder" reserviert hat.

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