Dienstag, 23. Juli 2013

Bespaßung der Kollegienkirche


Kainberger

»….Obwohl die Kollegienkirche um zwölf Millionen Euro saniert ist, droht sie nun in frischer Schönheit zu sterben. Kann ein solches Steingebilde sterben? Kann ein solcher Meilenstein der europäischen Kunstgeschichte verschüttgehen? Ja, denn vieles deutet darauf hin, dass hier die Leere einzieht.
Woher diese Sorge? Der Bund, genauer: die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), hat nicht aus Begeisterung für diesen Barockraum die Sanierung in Angriff genommen, sondern weil Dachstuhl und Decke einsturzgefährdet waren. Ein Nutzungskonzept gibt es nicht.
Nimmt man den Beitrag der Erzdiözese für diese Jahrhundertsanierung, nämlich 100.000 Euro, ist dies eher ein Signal für Lethargie als für Initiative.Die Salzburger Festspiele haben von dreizehn Konzerten der heurigen Ou verture spirituelle nur vier in die Kollegienkirche gelegt. Zudem wird diese Kirche für vier Konzerte zeitgenössischer Musik genützt. Acht von 245 Veranstaltungen? Das ist dürftig.Dabei gäbe es für die Kollegienkirche dringenden und großen Bedarf, der allerdings auch mit anderem als dem Herkömmlichen – dem Abbeten immer gleicher katholischer Gottesdienste – zu decken ist. Dieser Bedarf ergibt sich aus einer Sehnsucht vieler Menschen nach anderem als Geld, Berufserfolg und materiellem Glück. Er ergibt sich aus der Sehnsucht nach Austausch zwischen den Religionen. Welche Verwandtschaft haben Meditation und Gebet? Ist nicht jede Religion auf der Suche nach dem Licht? Wie unterscheidet sich das buddhistische vom christlichen Licht?
Freilich soll und wird die christliche Eucharistiefeier der Mittelpunkt bleiben. Doch kann anderes hinzukommen: Gottesdienst im weitesten Sinne, Musik, Kunst, Theologie und Philosophie. Der Anspruch dafür liegt hoch. Denn alles in diesem Raum soll sich in Strahlkraft und Beständigkeit an Fischer von Erlachs Architektur messen.
Die Kollegienkirche kann – wie der Raum zwischen Kohlestiften – zum Leuchtpunkt werden, etwa für die Begegnung der Weltreligionen. Dafür wäre das heutige Konzert ein Anfang. Dafür müsste auch die katholische Kirche endlich einen Aufbruch wagen.In diesem Raum können alle Arten spiritueller Musik aufgeführt werden. Dafür ist die Ouverture spirituelle ein Modell. Denkbar wären auch szenische Werke wie Kirchenopern oder Orato rien – die legendäre „Rappresentatione di Anima et di Corpo“, Händels „Jephtha“ von Federik Mirdita und Franz Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“ von George Tabori seien da Vorbilder.
Hier kann nachgeholt werden, was die katholische Kirche seit Jahrzehnten schmählich vernachlässigt: Begegnungen mit neuer, bildender Kunst. Der Kardinal-König-Kunstpreis könnte dafür erste Anknüpfungen bieten.
Die Kollegienkirche eröffnet Möglichkeiten für Institutionen, denen eine geistige Öffnung und Verjüngung nicht schaden würde: der katholischen Kirche wie den Salzburger Festspielen. Sie eröffnet der Universität Salzburg die Chance, für ihre große Tradition in Theologie und Philosophie eine neuartige Plattform zu bauen. In dieser Kirche könnten Klöster ihre unendlichen Geistesschätze in neuer Form zu neuem Publikum tragen: vor allem das Stift St. Peter, aber warum nicht endlich und dringlich auch der Nonnberg?
Auch die Republik Österreich als Hauseigentümerin sowie Land und Stadt Salzburg sind in die Pflicht zu nehmen. Denn Leben in der Kollegienkirche ist kein Privatvergnügen, sondern gesellschaftspolitische Notwendigkeit

Soweit also das heutige, unter der Überschrift “Analyse” veröffentlichte, Lamento von Hedwig Kainberger, Ressortleiterin für Kultur in den Salzburger Nachrichten.
Die von mir hervorgehobenen Sätze bestätigen, daß hier jemand geschrieben hat, der weder von der Katholischen Kirche noch von Musik sehr viel Ahnung zu haben scheint.
Die Festspielleitung hat absolut Recht, wenn sie in diesem hyperakustischen und somit für Konzerte seit jeher absolut ungeeigneten Raum nur sehr wenig Veranstaltungen veranschlagt und die katholische Kirche in Salzburg wird ihrerseits gut daran tun, sich nicht auf Bespaßungs- und Eventbegehrlichkeiten einschlägiger Konzert-Gesellschaften einzulassen.
Leben in der Kollegienkirche ist keine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, in dem Sinne, wie es uns Frau Kainberger einbläuen möchte.
Leben in der Kollegienkirche (wie in jeder Kirche!) wird es sein, daß jeder der will, eintreten darf,  um in  Andacht oder Staunen zu verharren und für eine kurze Weile der Hektik und dem omnipräsenten Dauerlärm des Alltags zu entfliehen.
Leben in der Kollegienkirche wird sein, Priester zu finden, die regelmäßig(!) jene von Frau Kainberger belächelten ständig gleich abgebeteten katholischen Gottesdienste leiten und engagierte Laien und Gläubige, die den Raum zu den gegebenen Zeiten mit Gebet und Volksgesang erfüllen.
Dafür ist eine Kirche da. 


1 Kommentar:

  1. Na servas! kann man da nur sagen.
    Werd beim naechsten staendig gleich abgebeteten katholischen Gottesdienst an Frau Kainberger und ihr buddhistisch/christliches Meditationslicht mit Austauschsbeduerfnis denken.

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