Sonntag, 30. Juni 2013

Damals in Salzburg


Gestern Abend führten wir uns ein kleines bißchen “Heile Welt” zu Gemüte und holten aus unserer Videothek (eigentlich von unserer Festplatte) das Filmchen “Salzburger Geschichten” mit Marianne Koch und Paul Hubschmied aus dem Jahr 1956.
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Das harmlose Geschichtchen von Erich Kästner spielt in einer Festspielsaison jener Zeit in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, als Deutsche mit nicht mehr als 10 Mark nach Österreich einreisen durften. Ein Dreifachdoktor (Dr. Dr. Dr.) verliebt sich in ein Stubenmädchen, welches in Wirklichkeit eine Komtess ist und die beiden führen den Zuseher nicht nur in den Jedermann mit Quadflieg und Hattheyer oder den Don Giovanni, sie fahren auch ins Salzkammergut bis nach Hallstatt (die Jause fährt im Rucksack mit) und zeigen uns immer wieder einzelne touristische Glanzlichter der Stadt Salzburg.
Wehmut kommt auf, als im traditionsreichen Cafe Glockenspiel (welches der von den Wienern hofierte Attila Dogudan vor nicht ganz zwei Jahren  zielstrebig und erfolgreich zugrunde gerichtet hat)  zwei Kaffee mit Kuchen um 3.60 Schilling(!) konsumiert werden und wenn der alte Zahlkellner vom Stiegl räsoniert, daß nach den Festspielen die Stadt wieder den Salzburgern alleine gehört, die Souvenirläden schließen und Ruhe, Stille und Beschaulichkeit Salzburg einkehren. Da müßte man sich dann halt das sauerverdiente Geld vom Sparbüchel holen und davon bis zur nächsten Festspielsaison mehr oder weniger bescheiden leben (!).


Wenn man bei den einzelnen Szenen genau hinschaut, sieht man auch wie unverbaut und stimmig sich beispielsweise der Stadtteil Nonntal noch präsentiert hat. Weder gigantomanische Universitätsgebäude noch andere hingeklotzte Gebäudekomplexe, die einem angeblich leistbaren Wohnraum Genüge tun.
Wenngleich auch der Film ein paar Jahre vor meiner Geburt gedreht worden ist, so habe ich doch auch aus meiner Jugendzeit so manches wiedererkannt und gesehen, wie häßlich und wie billig Salzburg seither geworden ist.
Unser Glück ist, daß man die wichtigsten und schönsten Attraktionen Salzburgs (noch) nicht anzugreifen wagt, aber das häßliche Ambiente welches geltungssüchtige Politiker rund um die Altstadt herum entstehen lassen, kommt immer näher.
Mit dem Satz - Einmal Himmelreich und zurück – beschreibt Kästner die Fahrt zwischen dem kleinen Vorort Himmelreich und der Stadt Salzburg.
Himmelreich und Salzburg sind seit damals nicht himmlischer geworden, im Gegenteil,  und ich fürchte, es wird noch schlimmer werden.

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