Donnerstag, 19. Januar 2012

Das Wunder von Kärnten

 

Eine Katastrophe von einem Titel. „Das Wunder von Kärnten“ (20.15 Uhr, ORF 2 ) impliziert Kitsch und weckt falsche Erwartungen. KURIER hat den Film vorausgesehen.

Der Film nach einer wahren Begebenheit von 1998 handelt nicht von einem Wunder, sondern von der großartigen Arbeit eines Ärzteteams am Kärntner Landeskrankenhaus. Das ein Kind gerettet hat, dessen Herz bereits eine halbe Stunde stillstand, nachdem das Mädchen in einen Teich gefallen war. Die heute 17-Jährige überlebte ohne Folgeschäden. Der Boulevard sprach damals von einem „Wunder“. Der Titel wurde nun für den TV-Film übernommen, in dem Andreas Prohaska („Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“) jene Nacht beschreibt, in der das Team um Oberarzt Markus Höchstmann (Ken Duken) die vierjährige Katharina (Sara Wogotai) rettet.

Kurier findet also,  daß es sich bei dieser, meines Erachtens sehr gut verfilmten Begebenheit aus dem Jahr 1998 nicht um ein Wunder handelt. Ich meine jedoch, ja! Hier fand ein Wunder statt. Und zwar ein Wunder, welches Menschen zu vollziehen gestattet war. Bei der Rettung der kleinen Kathi, wie es im Film geschildert wurde, war das Wunder nicht von himmlischen Wesen oder direkt durch göttliches Eingreifen geprägt. Es zeigte sich vielmehr, daß bestimmte, wenn nicht vorbestimmte, Menschen es oft in der Hand hätten, die Zutaten für ein Wunder zu mixen und daraus ein Wunder zu formen.

Wunder von KärntenIm Fall des Kärntner Mädchens war es ein Wunder, daß sich just diese Konstellation von Menschen  zusammengefunden hatte, um genügend Opferbereitschaft, Ausdauer und Willen für das Durchhalten in einer anscheinend aussichtslosen Situation zu haben.

Ich persönlich habe auch so einige Probleme mit Wundern und die maßlose Strapazierung des Wortes Wunder für alle möglichen Situationen und Begebenheiten. Nicht jeder Regenbogen oder jede Wolke ist ein Wunder und oft schon konnte ich die Erfahrung machen, daß ich mich eher schrecke, wenn besonders fromme und demonstrativ gläubige Menschen süchtig und gierig nach Wundern heischen und fast schon zu “Wunder-Bustern” mutieren.

Ich zähle mich aber auch nicht zu jenen, die bei tragischen und schicksalshaften Ereignissen sofort nach einem gerechten und gütigen Gott schreien und von ihm auf der Stelle ein Wunder erwarten. Ich glaube, diese Form von Wunder braucht es nicht wirklich. Es braucht Menschen, die bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen und Handlungen zu setzen. Es gibt diese Menschen und es ist immer wieder ein Wunder, wenn solche Menschen sich scheinbar zufällig zusammenfinden, um schier Unmögliches zu bewältigen.

Wir sollten uns nie fragen “Wo ist Gott, wenn man ihn braucht?”. Wir sollten uns fragen, “Bin ich der Mensch, den Gott braucht, um hier sein Wunder zu vollenden?”.


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