Montag, 14. November 2011

Im Zentrum des ORF-Grusels

 

So könnte man die gestrige Diskussionssendung im ORF unter der wieder einmal nicht moderierenden Moderatorin Ingrid Thurnher nennen. Moderieren, im Sinne von Schlichten und Mäßigen mehrerer diskutierenden Personen, ist Thurnhers Sache nicht. Im Gegenteil – paßt der Frau Ingrid eine Aussage nicht, so fährt sie dem Sprechenden ins Wort, ist es ihr hingegen genehm, so “schafft” sie es einfach nicht, die Gegenpartei zu moderieren.

Die Teilnehmer des “Im – Zentrum – Gruselkabinetts” waren:

Peter Schipka (Generalsekretär Bischofskonferenz), Ewald Stadler (Nationalratsabgeordneter BZÖ, „wehrhafter Christ“), Gerald Gump (Pfarrer in Schwechat, Pfarrer-Initiative), Christof T. Zellenberg (Banker und Mitglied des Malteserordens), Anja Appel (Generalsekretärin katholische Frauenbewegung).

Wenn sich Menschen öffentlich in einer TV- Diskussion präsentieren, müssen sie damit rechnen, daß man sie vorerst einmal auch rein nach ihrem Erscheinungsbild bewertet. Das ist eine logische und - wie ich meine -auch legitime Reaktion.

Meine subjektiven Reaktionen nach den ersten Sendeminuten waren, daß hier ein verkappter Lutheraner und Selbstdarsteller (Gump) und eine Mitarbeiterin des Magazins EMMA (Appel) einem Weichei (Schipka), einem gut vorbereiteten Politiker (Stadler) und einem vorbildlich bibelfesten und Ruhe bewahrenden Katholiken (Zellenberg) gegenüber saßen.

Gump und Appels Körpersprache, bzw. Mimik waren zum Fürchten. Frau Appel hielt ihr gestyltes Köpfchen einmal nach links und dann wieder nach rechts geneigt und bemühte sich, um ein möglichst überhebliches Aussehen, von welchem sie wohl meinte, daß es sie als “über den Dingen stehend” auswiese. Pfarrer Gump ließ mir kalte Schauer über den Rücken laufen, auf Grund seines verbissenen und eingefrorenen Dauergrinsens, welches angesichts seiner Aussagen und Statements fast schon diabolisch wirkte. Soweit meine rein subjektiven Eindrücke jener Protagonisten, die diesen traurigen Priesteraufstand befürworten.

Und nun zu den Aussagen.

Pfarrer Gump

 

 

 

Pfarrer Gump ist eine wahrhaft  traurige Figur, die sich für diesen Fernsehauftritt zwar einen Colar umgelegt hatte, aber mit Aussagen wie “meine Kirche”, “ich lebe nach Jesu Willen”, “Jesus selbst war ungehorsam” ziemlich schnell geoutet hat.

 

 

 

Anja Appel

 

 

Frau Appel hatte am Schluß die Publikumsgunst gewonnen, durch den schlichten Einwurf “Gott sei Dank”, als Herr Zellenberg erzählte, daß er sich nicht zum Priester berufen sah. Auch ihr Verhalten und ihr Gesichtsausdruck, als Herr Zellenberg die Palmsonntagsgeschichte erzählte, offenbarte ziemlich drastisch ihre latente Aggressivität und Gehässigkeit.

 

 

 

Ewald Stadler ist halt ein Politiker, der aber erstaunlich bewandert ist.

Christoph T. Zellenberg konnte durch seine Bibelzitate und durch schlichtes “Katholisch sein” schon rein argumentativ  den “Aufständler” arm und klein aussehen lassen, wobei dieser auf Grund seiner maßlosen Selbstgerechtigkeit ungerührt weiter satanisch vor sich hin grinste.

Die üblichen Einspielungen des ORF fanden “zufällig” vor der Kirche Maria Hietzing statt, offensichtlich eine Stuhlkreisgemeinde und jene beiden Jugendlichen, die selbstverständlich auch wieder ganz “zufällig” von der “zufällig” anwesenden Schülergruppe der Sir Karl Popper Schule anwesend waren und “zufällig” vor das Mikrophon traten, haben ihre “spontanen” Aussagen gut einstudiert und vorbereitet wiedergegeben.

Als Tupfen auf dem i, trat dann noch der Haustheologe des ORF, Paul Zulehner auf und verkaufte die umstrittene, vom ORF in Auftrag gegebene Umfrage unter Österreichs katholischen Priestern als neues Evangelium. Als Herr Zellenberg “wagte”, diese Umfrage mit von ihm recherchierten Fakten als unglaubwürdig anzuzweifeln, da griff Frau Thurnher äußerst schnell ein, um dieser ungewünschten und womöglich der Priesterinitiative schadenden Wende Einhalt zu gebieten.

Enttäuschend war, daß der Sekretär der Bischofskonferenz sich nicht zu klaren Aussagen durchringen konnte und bemerkenswert war der Vorwurf von Ewald Stadler, daß er seine Kinder aus dem Religionsunterricht genommen hat, da der Religionsunterricht an den heutigen Schulen derart katastrophal sei, daß junge Menschen nicht einmal mehr im Stande seien, ein Credo zu beten, geschweige denn zu verstehen.

Frau Thurnher meinte gegen Ende noch, daß es sie verwundere, daß gerade junge Priester wieder zurück zum originären Katholizismus wollten und diese aber die Minderheit darstellten. Das “Gott sei Dank” an dieser Stelle konnten sich die beiden anwesenden Damen anscheinend verkneifen. Ich nicht! Die jungen, sich wieder besinnenden Priester stellen zwar noch eine Minderheit dar, aber sie werden die verkappten Alt-68-iger und die Schlendrians vorangegangener Kardinäle in jeder Beziehung überleben.

Das stimmte mich dann irgendwie zufriedener, nachdem ich mir die Folter dieser Sendung angetan habe und noch des nächtens vom unheimlichen Gegrinse des Pfarrer Gump verfolgt wurde. Mein persönliches Fazit:

Eine Appel und ein Ei Gump werden der UNA SANCTA nicht schaden.


Kommentare:

  1. Bewundernswert, daß Sie sich solche Propagandasendungen der DDR 2.0 noch antun. Zumal das Ergebnis der "Diskussion" durch routinierte Regie, einseitige Moderation und einseitige Auswahl des Publikums stets vorher feststeht. Da wird nichts dem Zufall überlassen, wie Sie sehr gut beobachtet haben.

    "Der Rauch des Satans... ins Gebälk der Kirche eingedrungen..." - sog. "Priester", die von diesem Rauch durchdrungen sind, mit meinem Kirchenbeitrag zu finanzieren ist mir schon lange zuwider, und genau deshalb bin ich ausgetreten.
    Wenn ich einen bestimmten Pfarrer als integer kenne, kann ich ihm ja privat Geld geben, für bestimmte, mir gut scheinende Projekte.
    Nescio

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  2. gruselkabinett passt, derjenige der mich gruselte, war jedoch stadler! dieser politiker ist im NR - noch immer. das phänomen fremdschämen macht sich bemerkbar. die kommentare, und die art und weise miteinander zu kommunizieren fügt sich nahtlos in die seine politische historie ein. geschichte wird er jedoch nicht
    schreiben.

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  3. Der bibelfeste Zellenberg kennt nicht einmal 1. Timotheus Kap. 3, dort steht: ein Bischof soll verheiratet sein. Ewald Stadler erinnert in seinem Tonfall an finstere Zeiten der Inquisition.

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  4. "Ewald Stadler ist halt ein Politiker, der aber erstaunlich bewandert ist."
    allein durch diese aussage disqualifiziert sich der ganze Artikel...ehrlich gesagt kann ich es nicht glauben wie man nur so subjektiv argumentieren kann.
    ich würde ihnen vorschlagen, die jungen Menschen in Österreichs Schulen zu besuchen und sie nach ihrer Mienung zu befragen

    Zellenberg und Stadler erinnern an das dunkle Kapitel der Inquisition.
    Man kann nur hoffen das solche Menschen nie das Sagen haben werden.
    beste grüße

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  5. "Gott sei es gedankt", dass die Herren Stadler und Zellenberg (hoffentlich) nichts in der Kirche zu bestimmen haben. Dann würde es eindeutig in Richtung Kirchenspaltung gehen. Ich danke Gott für die Zurückhaltung in der 'Pfarrerinitiative' und für die Bischöfe weil sie auf das Ganze schauen und gut im Dialog sind.
    Lasst uns auf den Geist Gottes vertrauen.

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