Montag, 10. Oktober 2011

Kollers Holler


Notwendige Ergänzungen und Antworten zu einer anderen Kolumne

Andreas Koller,stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten und Journalist des Jahres 2010, bester Kenner der Innenpolitik, Klartextschreiber und Hintergründeaufzeiger der österreichischen Politik
….Doch es ist nicht Strache, der die Demokratie gefährdet. Diese schafft es ganz von selbst, sich die Existenzgrundlage zu entziehen. Bereits lang vor der Euro- und Schuldenkrise haben die Institutionen, die seit 1945 die Pfeiler der Demokratie waren, rettungslos abgewirtschaftet: Der ÖGB, der rasant an Mitgliedern und an Einfluss verliert. Und die Großparteien, die keine Stammwähler mehr haben und zu reinen Wahlvereinen degeneriert sind.
Dazu kommt eine katholische Kirche, die ihre Rolle als konstitutives Element unserer Gesellschaft längst verloren hat. Zu einem Gutteil aus eigenem Verschulden, wohlgemerkt.
Die Folge? Der ÖGB, die Parteien, die Kirche(n) können mangels Reputation und mangels Mitgliedern keine Orientierung mehr bieten. Die Medien auch nicht, da die Öffentlichkeit dank elektronisch gestützter Informationsexplosion in unendlich viele Einzelteile fragmentiert ist. Es gibt keine „österreichische Öffentlichkeit" mehr, die durch Appelle, durch politische Initiativen, durch gemeinsames Erleben zusammengeschmiedet wird.


Wie wahr, Koller, wie wahr! Doch Ihr linkes Auge hält Sie leider wieder einmal davon ab, wichtigen Tatsachen ins Gesicht zu sehen, wenngleich Sie in letzter Zeit tatsächlich schon in ganz vernünftige Bereiche gelangt sind, was Ihre sozialdemokratischen Präferenzen anbelangt.
Es ist nicht die Demokratie, die sich die Existenzgrundlage entzieht, es sind jene, die die Demokratie dazu mißbrauchen, sich selbst mittels politischem Faulbett, die eigene Existenzgrundlage so bequem und gemütlich zu erhalten, wie nur irgend möglich. Dazu zählen allen voran der ÖGB, der sich und seinen vor allem aufrechten, sozialdemokratischen Mitgliedern die besten Pfründe zu sichern weiß. Gerade deswegen herrschte immense Aufregung und kollektive Empörung, als die Schwarzen nach der fast schon historischen Regierungsbildung mit der viel zitierten “Umfärbung” begannen, was ja impliziert, daß es vorher schon eingefärbt war. Auch der ÖGB wurde nicht von Strache abgewirtschaftet. Das haben Verzetnisch &Co. ganz selbständig und eigenverantwortlich durchgezogen. Sozialdemokratische Wirtschaftsexperten haben am “KONSUM” gezeigt, wie’s geht:
…Seine Erklärung für die Probleme des Konsum war symptomatisch für ein System aus Fehlentscheidungen, Missmanagement, mangelnder Kontrolle und strategischer Weitsicht sowie politischer Einmischung roter Gewerkschafter, das die einst florierende Handelskette in den Ruin führte.(Quelle)
Und nun zu Ihrem Seitenhieb auf die katholische Kirche. Es wäre direkt köstlich, wenn es nicht so traurig wäre:
Da hat sich die linksverbildete Gesellschaft seit der 68-iger Revolte äußerst effizient für die Herabsetzung des kirchlichen Einflusses auf Staat und Gesellschaft “verdient” gemacht, und nun kommen Sie und bemängeln den Umstand, daß die katholische Kirche sich diesem Treiben hilflos zu unterwerfen gezwungen sah. Für jede Äußerung, die ein Bischof oder ein Kardinal von sich geben, findet sich auf Anhieb eine erkleckliche Schar von Qualitätsjournalisten einschlägiger  Mainstreammedien (allen voran ORF), die sofort mit Schlagwörtern wie Einmischung, Realitätsferne, Konservativismus, Fundamentalismus und ähnlichem um sich werfen und dafür vom mittlerweile erfolgreich verbildeten Publikum eifrigst beklatscht werden. Womit wir beim letzten Punkt wären:
Die “Fragmentierung” der Medienlandschaft.
Ich (und wahrscheinlich sehr viele andere auch) bin froh, daß diese Möglichkeit zur Information durch die elektronischen Medien genutzt werden kann. Dank dieser, bis jetzt durch den Staat noch unkontrollierbaren Informationsflüsse, ist es möglich, sich eine eigene, unmanipulierte Sicht auf gewisse Umstände zu bilden und zu erhalten. Doch beruhigen Sie Sich, Koller, es gibt ja schon ausgereifte Pläne, diese “Unarten” zu unterbinden und somit wieder eine einheitliche Volksmeinung zu gestalten. Dann werden wir wieder eine
…österreichische Öffentlichkeit [dumme Volksmasse] sein, die durch Appelle [gezielte, staatlich beaufsichtigte Manipulation], durch politische Initiativen [Kinderfreunde, rote Falken, ÖH, JUSOS], durch gemeinsames Erleben [Gott bewahre uns vor so etwas] zusammengeschmiedet [ruhig gestellt]wird.


Andreas Koller ist stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Journalist des Jahres 2010, bester Kenner der Innenpolitik , Klartextschreiber und Hintergründeaufzeiger der österreichischen Politik.

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