Mittwoch, 14. September 2011

Exzessive Nacktheit am Theater

 

Neulich wurde auf Ö1 eine Veranstaltung des Festivals “Steirischer Herbst” angekündigt. Mit halben Ohr hörte ich irgendetwas von Theater (bäh) und einem nackten Pianisten(oh, là là), welcher Haydns “Sieben letzte Worte des Erlösers am Kreuz”(!?) spielen würde.

Nackt – aha! Das garantiert sozusagen den ganz großen Kunstgenuß rund um all das andere, störende Theaterdings. Und wenn man auf dem screenshot unten sieht, daß die Veranstalter selbst dieses Ereignis mit 72% Theater, 14% Klavier und 14% Exzess bewerten, dann ist das für den durchschnittlichen Kulturbegeisterten eine exzellente Entscheidungs- und Orientierungshilfe.

Exzess, bzw. Nacktheit braucht es also heute, um tumbes Theaterpublikum in die diversen Veranstaltungen zu locken.

Wenn ich jetzt nun frech und frei behaupte, daß ich 14% meiner Posts nackt schreibe, könnte das meine Blog-Statistik womöglich auch irgendwie in ungeahnte Höhen treiben?

Ich meine, stellen Sie sich das einmal vor, ..nackt.., pudelnackt…, vor dem PC und exzessives nacktbloggen …, na? ….

Ja? …..Oder? …….

Gell!!!

steirischer Herbst

(Quelle)


Kommentare:

  1. da wird also offensichtlich ein Theater aufgeführt, in dem es um Engel und Teufel, Himmel und Hölle, die Welt und ihre Eitelkeiten geht - und alles, was der Katholik dazu zu sagen hat, ist puritanische Empörung über die Nacktheit der Darsteller.

    Als gläubiger kirchentreuer Katholik UND moderner Künstler ärgern mich solche uninformierten Texte. Niemand muss ins Theater gehen, und niemand muss eine konkrete Produktion gut finden. Aber ein solcher Pauschalrundumschlag, ohne sich in der Materie irgendwie auszukennen, ist inakzeptabel.

    Theaterbesuchern, die man gar nicht kennt, Tumbheit oder Lüsternheit vorzuwerfen, ist dann wohl der Gipfel des Hochmuts. Aus eigener (durchaus leidvoller) Erfahrung kann ich sagen, dass der durchschnittliche Theaterbesucher um einiges gebildeter ist als der durchschnittliche konservative Katholik. Posts wie der vorliegende bestätigen mir dieses Bild leider nur.

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  2. puritanischer Unempörter15. September 2011 um 08:00

    Na, na! Cool down!
    Hier regt man sich m.E doch nicht über Nacktheit an sich auf. Hier wird doch eher aufgezeigt, dass immer mehr Veranstalter, Dramaturgen und Regisseure ganz vordergründig und unabhängig von der Handlung des aufgeführten Stückes nackte Akteure und vermeintlichen Exzess als dramaturgisches Mittel einsetzen.
    Die hingegen ohne jegliche Ironie hingeknallte "Erkenntnis", dass der "durchschnittliche Theaterbesucher gebildeter sein soll, als der durchschnittliche konservative Katholik" - also das ist genauso gewagt wie pauschalisierend.

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  3. naja, um beurteilen zu können, ob ein Regisseur etwas "vordergründig und unabhängig von der Handlung" macht oder nicht, müsste man die Inszenierung schon gesehen haben. Der ich in letzter Zeit viele aktuelle Inszenierungen gesehen habe (in denen generell allerdings nackte Menschen eher selten vorkamen), würde ich sagen: es gibt beides. Wie es (wie zu allen Zeiten) gute und schlechte Kunst gibt. Wobei zahlenmäßig heute wie früher sicher die schlechte überwiegt. Wär ja auch merkwürdig wenns anders wäre - dann könnte es ja jeder.

    Meine tatsächlich ohne Ironie hingeknallte Bildungs-Pauschaleinschätzung ist hingegen kein Vorurteil, sondern eine - zugegeben subjektive -, über viele Jahre gegen meinen Willen gesammelte Erfahrung. Hinsichtlich derer ich mich zugegebenermaßen jedesmal freue, wenn ich sie durchbrochen sehe. Mir liegt - im Gegensatz zu katholischen Theaterverächtern - nichts daran, meine eigenen Klischees auf Teufel komm raus bestätigt zu sehen. Wenn es trotzdem immer wieder geschieht, finde ich es durchaus schmerzhaft. Gerade weil ich gläubiger Katholik bin und mich in der real existierenden Kirche zu Hause fühle(n möchte).

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