Dienstag, 9. August 2011

Zu Edith Stein weiß ich auch eine Geschichte

 

Edith Stein

Ein mir sehr nahestehendes Ehepaar war bei seinem ehemaligen Schulkameraden eingeladen. Die beiden betagteren “Knaben”, Absolventen eines humanistischen Gymnasiums, pflegen seit der Schul- und Studienzeit ihre Freundschaft. Auch die übrigen Absolventen dieser Maturaklasse treffen sich nahezu jedes Jahr einmal, um der “alten Schulzeiten” zu gedenken.

Außergewöhnlich, wie ich meine; denn meine Maturaklasse beispielsweise hat sich in alle Winde zerstreut, und nicht ein einziges Maturatreffen kam bisher zustande. Während also nun die beiden älteren Knaben wieder einmal über alte Zeiten und über “Gott und die Welt” diskutieren, holt der Gastgeber aus einer unscheinbaren Schuhschachtel wahre historische Dokumente aus der Schulzeit hervor. Fein säuberlich geschlichtet und in nahezu tadellosem Zustand. Die wenigen, schülertypischen Blessuren an den Dokumenten stammen aus der Zeit, in welcher sie geschrieben wurden.

Wahre Schätze tun sich auf, vom Stundenplan der 3. Klasse Gymnasium bis zu einem Religionsheft, in welchem man damals mit hochrotem Kopf so unaussprechliche Dinge mitschrieb, die unter anderem mit dem 6. Gebot in Verbindung gebracht wurden. Und dann taucht noch die Mitschrift eines Gebetes aus dem Schuljahr 1954/55 auf und der Gastgeber “rezitiert” mit Stolz  und ernster Miene dieses Gebet, welches von der Hl. Edith Stein stammt:

Morgengebet

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute,
sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht
nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen,
deinen Händen bette ich mich ein.
Schuljahr 1954/55

Am 9. August 1942 starb Edith Stein in Auschwitz, im Schuljahr 1954/55 lernt ein 13-jähriger Gymnasiast aus Salzburg dieses Gebet und betet es noch heute, 2011.

Gute und wertvolle Gedanken bleiben nicht nur in einer Schuhschachtel erhalten. Sie bleiben ein ganzes Leben lang in den Köpfen guter Menschen.


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