Mittwoch, 17. August 2011

Lieber Helmut!

 

Helmut Schüller

Ich sage es Dir ehrlich und in aufrichtiger, christlicher Nächstenliebe: Besonders sympathisch warst Du mir noch nie. Auch nicht damals, als Du für die Caritas unterwegs warst. Auf mich machtest Du immer den Eindruck eines “Sunnyboys”, der ganz bewußt auf smartes Gehabe und Eigenpräsentation setzt. Das fand ich schon damals in Hinblick auf Dein (Priester-)Amt ziemlich unangenehm.  Nun, in der Caritas wird man anscheinend so. Was weiß ich, warum. Wahrscheinlich bekommt es dem eigenen Charakter nicht, wenn man tagtäglich über so viel Fremdgeld verfügt. Ist ja bei den Politikern genau so. Bloß, bei denen weiß man von Anfang an, daß sie ohnehin nicht sehr aufrichtige…, ach was, lassen wir das.

Jetzt bist Du also Pfarrer in  Probstdorf ( entschuldige bitte, daß ich nicht weiß, wo genau dieses Nest liegt), Seelsorger für die Wiener Studenten, Vorstand von Fairtrade und Geistlicher Assistent des katholischen Akademikerverbandes. Da Dir das nicht genug Arbeit zu sein scheint, bist Du auch noch ein recht aktiver Sprecher der “Ungehorsamen Priester”, die Du mit Deinem Freund Udo um Dich geschart hast.

Ich kann mir vorstellen, daß es Dir insgeheim recht gut gefällt, wie Dich alle bewundern, für Deinen großen Mut, nicht zu verwechseln mit Großmut. Eure Forderungen, wie das Abschaffen des Zölibats und die Zulassung von Frauen zum Priesteramt, sind praktisch “alte Hüte” und wenn man den ganzen  “Ungehorsamskatalog” so ansieht, verlangt Ihr nicht mehr und nicht weniger, als daß die katholische Kirche endlich evangelisch werden solle.

Dazu bräuchte es aber Eure Initiative nicht; denn es steht jedem Schäflein und jedem Schäferchen frei, die diesbezüglichen Konvertierungsmaßnahmen zu ergreifen und auf immer und ewig im irdischen und dem darauffolgenden ewigen Leben lutherisch selig zu werden.

Ja, und die Sache mit dem Zölibat, da frage ich mich auch, ob Du denn überhaupt Zeit hättest für Weib und Kinder neben all Deinen vielen wichtigen Tätigkeiten. Ich fürchte, daß ein Dich liebend Weib bald einmal aufmüpfig und ungehorsam(!) werden würde, wenn Du ständig auf allen möglichen Kirtagen unterwegs wärst, Frau und Kind aber ständig ohne Dich sein müßten. Ehe und Kindern gebührt doch die nötige Aufmerksamkeit. Man sieht ja gerade bei den evangelischen Pastoren, wie schwer die es oft haben, Familie und Priesteramt zu koordinieren. Die Scheidungsrate unter Deinen lutheranischen Kollegen ist beträchtlich und prozentuell gesehen, haben die Lutheraner auch nicht mehr Hirten, nur weil sie heiraten dürfen, bzw. weil dort auch Frauen zugelassen sind.

Also, Lieber Helmut! Was willst Du eigentlich mit Deiner Initiative und Deinen damit verbundenen Auftritten in den Medien? Ist es eine späte Rache am Kardinal, geht Dir die mediale Aufmerksamkeit, die Du als Caritaspräsident genossen hast dermaßen ab, daß Du einen Ersatz brauchst, oder bist Du schlicht und einfach ein Hetzer, der die Gutmütigkeit seiner Schäfchen mißbraucht, um sich selbst eindeutiger in den Vordergrund zu schieben?

Ich muß es Dir ehrlich und in aller christlichen Nächstenliebe sagen, Lieber Helmut:

Du bist mir noch um einiges unsympathischer geworden, obwohl ich mich bemühe, nicht ungehorsam zu sein.

Dein Bellfrell


Pfr. Mag.Helmut Schüller ist Sprecher der Pfarrerinitiative “Aufruf zum Ungehorsam”.

1 Kommentar:

  1. Betr. Schüller: …Weib und Kinder… ich hoffe ja doch, daß Schüller modern genug ist –wenn schon modern und fortschrittlich, dann richtig- sich einen gleich gesinnten und gleich orientierten männl. Partner zu halten. Manche Leute sind schwul und haben keine Kinder, und in vielen Fällen ist das auch gut so.
    Zur Glaub-WÜRDIGKEIT der kath. Kirche allgemein: Daß Woitila den Koran geküßt und in der Klagemauer Zettelchen gesteckt hat hat mir schon zu denken gegeben. Zumal solche Dinge ja keinesfalls auf Gegenseitigkeit beruhen. Oder hat jemand schon einen Imam oder einen Rabbi eine christliche Bibel oder ein Kreuz küssen gesehen? Nun, Ratzinger hat es dem Woitila an der Klagemauer gleich getan und auch Synagogen und zumindest eine Moschee besucht, ganz unterwürfig und bescheiden, wie es einem ungläubigen und daher minderwertigen Besucher ziemt.
    Für mich ist das Synkretismus, oder Beliebigkeit. Überdeutliche Zeichen, daß die Hirten, auch die obersten, ihren Glauben und den Weg verloren haben. Die Schafe sind ohne Schutz und müssen jetzt selbst auf sich aufpassen. Doch was macht ein Schaf ohne den Schutz des Hirten, wenn die Wölfe kommen?
    Genau das ist das Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Schaf und Wolf. Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden…
    Ich war geneigt, Woitilas Synkretismus als Symptom einer Altersdemenz zu entschuldigen. Als Ratzinger aber ihm auch in dieser Hinsicht nachgefolgt ist und bewiesen hat, daß Synkretismus nunmehr dauerhaft zum Berufsbild des Pontifex Maximus gehört, und damit erklärtes Ziel ist, bin ich ausgetreten.

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