Montag, 11. Juli 2011

Wer historische Texte verändert, begeht Geschichtsfälschung

 

Es ist so eine Sache mit Gender und PC. Vor zwei Tagen kam eine abgetakelte Ex-Ministerin auf die glorreiche Idee, sich mit ein paar weiteren Innen zusammenzutun, um in einem neuerlichen Anlauf an Text und Melodie der österreichischen Bundeshymne herumzudilettieren. Abgesehen von der Sommerlochqualität dieser Aktion sollte man vielleicht doch kurz einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob derartige Initiativen, welche ganz “harmlos” unter das Deckmäntelchen von Emanzipation, Gender oder PC gereiht werden, nicht in eine Richtung weisen, die unsere Gesellschaft mit größerer Skepsis verfolgen sollte.

Die österreichische Hymne wurde 1947, zwei Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs offiziell eingeführt und 1956 per Ministerratsbeschluß  zur offiziellen Staatshymne erhoben. Der Text der Hymne dient nicht dazu, die Befindlichkeitsstörungen von Innen im 21. Jahrhundert zu umschreiben. Er ist vielmehr ein historisches Zeitdokument.  Paula von Preradovic umschreibt mit Worten, die damals üblich waren und von jedermann(!) verstanden wurden, die Entschlossenheit, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken und einen neuen Staat aufzubauen, nachdem man gerade eine Ära des Wahnsinns hinter sich gebracht hat. Die neue Hymne wurde mit Stolz und frisch erworbenem Selbstbewußtsein gesungen, wann immer es angebracht war.

Ich erinnere mich, als ich in meiner Volksschulzeit die Bundeshymne lernte. Wir studierten Text und  Melodie und dann sangen wir unsere Hymne aus voller Kehle bei Schulfesten oder bei hohen Besuchen. Niemand in der Klasse fragte sich, warum denn hier nur von “Söhnen” die Rede war.

Jetzt, im fortgeschrittenem Alter ist es mir klar: Es waren Söhne, welche über Jahrhunderte hinweg gezwungen waren, den Dienst am Staat zu leisten und es waren die Söhne, welche von diesem Dienst am Staat nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr zurückkamen und es war eine Selbstverständlichkeit der damaligen Zeit, daß die “Töchter” zu Hause blieben und auf die Söhne warteten. So war die Zeit, nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt. Und der Hymnentext belegt das.

Mit dem Abändern des Textes wird auch dieses Dokument verfälscht und niemand wird in einer fernen Zukunft darüber nachdenken, was denn mit diesem Text gemeint war. Die Adaptierung eines historischen Textes ist immer auch eine bewußte Verfälschung der Geschichte, die dann nicht mehr hinterfragt zu werden braucht. 

Es ist genauso falsch wie das nachträgliche, unkommentierte Entfernen von heutzutage nicht mehr gesellschaftsfähigen Worten aus Klassikern der Literatur.

Falls Österreichs Innen tatsächlich unter der Bundeshymne leiden, und dieser Leidensdruck tagtäglich ihre Lebensumstände verschlechtert, dann ist es Zeit eine neue Hymne zu erwägen, welche dann diese Probleme des Staates und seine Lösungsmöglichkeiten impliziert.

Das “Herumdoktern”  an einem Zeitdokument  ist absolut unangebracht und dient lediglich zur Selbstdarstellung der politischen Zwerge in unserem Staat.


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