Montag, 13. Juni 2011

Was war vor dem Anfang?

 

Sternenhimmel

Wie viele andere Menschen wahrscheinlich auch, beobachte ich gelegentlich den Sternenhimmel. Manchmal frage ich mich dann, wie es möglich ist, daß ich meine Existenz und mein Bewußsein ausgerechnet auf dem winzigen Planeten Erde gefunden habe. Aus meinen “chemischen Verbindungen” hätte ja ebensogut eine Gasblase auf der Venus oder ein Sandkorn auf dem Mars werden können.

Alles wirklich Zufall? Lediglich Zufall, daß sich nach äußerst kompliziert (wenn überhaupt) vorstellbaren  Abläufen, in Milliarden von Jahren, Systeme und Zusammenhänge formten, die zu  einer Welt geführt haben, von der wir noch immer so gut wie keine Ahnung haben.

Erklärungsversuche unserer Welt und seien sie noch so logisch berechnet, enden bei vielen Menschen doch immer wieder mit den Fragen: Warum das Ganze, was war am Anfang und hat es vorher schon etwas gegeben?

In dem Buch “Auf dem Weg zur Weltformel” von Paul Davies und John Gribbin, ziemlich schwere Kost über “Superstrings, Chaos und Komplexität”, empfehlen die Autoren, sich vom “Vorstellungsdenken” zu verabschieden und nur mit theoretischer Physik sowie mathematischen Berechnungen an Dinge wie  Relativitätstheorie, Chaostheorie, Raumzeit und Urknall heranzugehen. Starker Tobak für alle, die es geschafft haben, einigermaßen die praktische Physik  zu verstehen und im Laufe ihres Lebens die Welt auch theologisch oder philosophisch ergründen wollen. 

Mitten im Buch findet sich eine kleine Übereinstimmung zwischen den Autoren und dem Hl. Augustinus (*354, †430)  bezüglich der ersten Sekunde der Welt. Diese Anfangssingularität wird hier so erklärt:

…Der Urknall bedeutet nicht nur das Erscheinen von Materie und Energie, sondern auch von Raum und Zeit. Die Bande der Schwerkraft verbinden Raumzeit und Materie; wohin die eine geht, dorthin muß die andere folgen. Der Urknall ist das vergangene Extrem des gesamten physikalischen Universums und bezeichnet den Beginn der Zeit; ein “Vorher” gab es nicht.”

Dies erklärt der Hl. Augustinus 1500 Jahre früher ganz simpel:

“Die Welt ist mit der Zeit erschaffen worden und nicht nach der Zeit.”

Augustinus glaubt an einen Schöpfer, der beides erschaffen hat. Viele Astronomen und Kosmologen hingegen glauben, daß das Universum per Zufall, unwillkürlich aus dem Nichts, ohne Sinn und Zweck, einfach nur per se entstanden ist.

Um meiner eigenen Existenzberechtigung wegen hoffe ich doch sehr, wenn auch mit allen Zweifeln, die man immer wieder hat und die wohl in der Natur des Menschen liegen, daß ich eines (jüngsten) Tages die Erkenntnis haben darf, wie es wirklich ist.


Update: Danke JoBo für den Link zu Ihrer Buchrezension. Hier für alle gleich direkt zum anklicken

1 Kommentar:

  1. Hochinteressant! Der Gedanke mit dem Beginn der Raumzeit hebelt das Argument des unendlichen Regresses aus (Wer hat den Schöpfer geschaffen?), denn ohne Raum und Zeit kann von "schaffen" nicht die Rede sein. Vielen Dank für die Darstellung!

    Mich hat in diesem Zusammenhang auch das Buch "Gottes Universum. Nachdenken über offene Fragen" von Owen Gingerich sehr beeindruckt. Gingerich begründet als Astrophysiker, warum es seiner Ansicht nach nicht der Zufall gewesen sein kann, der alles hervorbrachte, sondern ein intelligenter Schöpfer. Seine These: Gott steht hinter allem, was da ist.

    Rez.: http://film-kritik.net/public/rezension.php?rez_id=12320&ausgabe=200810

    LG, JoBo

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