Montag, 13. Juni 2011

Polizeiskandal?

 

Häfnaussicht

“…Polizeiskandal: Vermisster sitzt in U-Haft
Ein 19-jähriger gebürtiger Salzburger war mehr als zwei Wochen vermisst. Familie und Freunde schalteten die Polizei ein - jetzt stellte sich heraus, dass der 19-Jährige in U-Haft sitzt. Die Polizei habe das übersehen, sagt ein Sprecher.”(Quelle)

Mir scheint, da hat aber auch der Delinquent etwas wichtiges übersehen: War er selbst nicht im Stande, nach seiner Verhaftung einen Anruf zu tätigen und seine Verwandten, Freunde oder Facebookfriends zu verständigen, daß er nach dem Diebstahl eines Computerspiels (so die Version des ORF) im “Häf'n” gelandet ist? 14 Tage lang sitzt der Neunzehnjährige ruhig und ergeben in Untersuchungshaft, genießt staatliches Fernsehen und staatliche Verköstigung und fühlt sich dort anscheinend derart pudelwohl, daß er erst nach einem TV-Bericht auf die Idee kommt, jemanden über seinen momentanen Aufenthaltsort zu informieren?

Für die Medien ist der Schuldige natürlich sofort zur Hand, in Form von “Polizeiskandal” und “Behördenwillkür”.

Für mich präsentiert sich diese ganze Geschichte vom Anfang (angeblich nur Diebstahl) bis zum Ende (14 Tage brav und geduldig im Gefängnis sitzen) wie eine laut quakende Zeitungsente.

Damit ich mich hier keiner falschen Verdächtigungen schuldig mache, stelle ich fest, daß für diese ganze Geschichte und alle daran Beteiligten die Unschuldsvermutung zu gelten hat. In diesem Fall also auch für die Exekutive und die Justiz und die Berichterstattung.

1 Kommentar:

  1. In Haft einen Telefonanruf zu tätigen ist nicht ganz so einfach. Im Fernsehen, in Kriminalfilmen "hat jeder Verhaftete das Recht auf einen Telefonanruf"... in der Praxis aber ist der Verhaftete auch hierin von der Gnade der Kerkermeister abhängig.

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