Freitag, 6. August 2010

Das Land der mutmaßlichen Vermutungen

Zeitungsente Es ist wahrscheinlich nicht nur das Sommerloch, es ist eventuell schon auch eine neue Strategie der österreichischen Medien. Angefangen beim ORF bis hin zu den SALZBURGER NACHRICHTEN  und anderen Revolverblättchen wird gerade vermutet und gedeutet und interpretiert. Worauf? Auf nix! Denn echte Informationen gibt es nicht. Ebensowenig scheint es echte Informanten zu geben.
Früher einmal gab es das journalistische Prinzip: Wer –Wann –Wo – Was. Gut, das trifft nur für echte Reportagen zu, also Berichte, die sich auf Fakten gründen. Leider gibt es aber keine Fakten und darum sind Glossen, Kolumnen und Leitartikel  heimtückisch mutiert zu scheinbaren Reportagen und präsentieren die phantastischen Verschwörungstheorien des jeweiligen Autors als Tatsache. Geschickt in schöne Worte verpackt, rechtlich vermutlich vollkommen unantastbar, aber wahrscheinlich dennoch ohne jeglichen Realitätsbezug, dienen sie dazu, beim geneigten Leser den Eindruck zu erwecken, daß wohl der mutmaßliche Herr A anscheinend dem angeblichen Herrn B, der ein vorgeblicher Freund des angeblichen Herrn C ist, scheinbar bei einem möglicherweise stattgefunden habenden Deal, vermutete Zuwendungen in der Höhe von offenbar soundsoviel, eventuell hätte vielleicht zukommen lassen können.  Es gelte selbstverständlich die Unschuldsvermutung! Etwaige Informanten dürften den jeweiligen Redaktionen vermutlich namentlich bekannt sein.
Ich weiß, das war jetzt schwierig zu lesen, doch das ist der Sinn der Sache. Denn der durchschnittliche Zeitungsleser liest über all diese Mutmaßungen und Konjunktive allzu leicht hinweg und am Ende des Tages bleiben dann eventuell nur mehr die Worte zwischen den Konjunktiven übrig und schon entsteht ein ganz anderes Bild der Realität. Oh, mögen unserem gesegneten Land weder die Vermutungen und die den jeweiligen Redaktionen namentlich bekannten Informanten, noch der Konjunktiv je verloren gehen!