Dienstag, 27. Juli 2010

Quo vadis?

Irgendwann, vor urdenklichen Zeiten, mußten Menschen für ihre eigenen Taten und Untaten Verantwortung übernehmen. Dann hörte das auf.
Ich schätze es war, als Kinder nicht mehr lernen mußten, daß ihr Handeln Konsequenzen hat und sie zu einer Gesellschaft voll Spaß und Freiheit geführt wurden. Teilweise wurden sie auch einfach sich selbst überlassen, ausgestattet mit den coolsten Computerspielen, Playstations und anderen unterhaltungstechnischen Medien. So fand eine interessante Entwicklung statt: Die Kinder, die man ab sofort nur mehr Kids nennen durfte, verloren ihre Kindheit. Mit  ca. 10 Jahren liefen die männlichen Exemplare herum wie Drogendealer und Zuhälter im Zwergenformat und die weiblichen Exemplare kamen bis auf die körperliche Größe schon recht nahe an …….Nun lassen wir das.
Das Problem war, daß auf diese Art ein wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung verloren ging. Ganz früher, es muß wohl in der Steinzeit gewesen sein,  lernte man, 
 daß man nach dem Hinfallen wieder aufstehen kann. Egal, ob man nun fiel, weil einem ein Spielkamerad (ja solch abartige Wörter gab es früher!) einen Rempler gegeben hat, oder einfach weil man sich tolpatschig angestellt hat. Von irgendwo kam eine Stimme – es müssen wohl Eltern gewesen sein – die einem zurief:” Steh’ auf und geh’ weiter, das ist nicht weiter schlimm.”  Und siehe da, so war es auch. Man konnte immer wieder aufstehen und nach und nach fiel man auch nicht mehr so oft. Man lernte, Situationen abzuschätzen, einzuschätzen und vorausschauend zu handeln. Und solchermaßen Erlerntes prägte bis ans Lebendende und sorgte unter anderem dafür, daß es der Gesellschaft gut ging.
Irgendwann später, erreichte die Gesellschaft dann eine Phase des Umbruchs, wo alles überdacht, hinterfragt und verändert werden mußte. Bewährtes wurde abgeschafft, vieles als reaktionär und konservativ in den Keller gestellt und die Menschen wurden befreit von allen Zwängen  einengender und hinderlicher Struktur, oder von so etwas widerlichem und die persönliche Entwicklung behinderndem, wie Moral, Ethik oder Ehre. Kinder wurden zu den bereits zitierten Kids, auf Podeste gestellt und es wurde ihnen eingeimpft, daß sie für nichts verantwortlich sind, denn schließlich sind sie ja noch Kids und können tun und lassen, was sie wollen. Welch herrliche, paradiesische Zustände in dieser “neuen und besseren Freiheit”.  Egal was die kleinen Westentaschengötter anstellten, sie wurden dafür bewundert, andere übernahmen die Aufräumarbeiten ihrer Eskapaden und so wurden sie dann größer und kamen an einem Punkt an, wo sie nicht mehr klein und niedlich waren, sondern erwachsen, nicht mehr süß, dafür beängstigend und manchmal auch gewalttätig. Und plötzlich, von einem Tag auf den anderen, ohne jede Vorbereitung, mußten sie Eigenverantwortung übernehmen. Das konnte in den meisten Fällen nur schief gehen. In jeder Situation wurde nach Verantwortlichen gesucht, denen man das eigene Unvermögen umhängen konnte. Gesetze und Regeln wurden erfunden, die man früher nicht im Traum brauchte und so wurde Schritt für Schritt die mühsam erworbene, “neue und bessere Freiheit” immer mehr eingeschränkt und reglementiert.
Ich fürchte, wir sind so vom Regen in die Traufe gekommen. Wir haben uns keinen Gefallen getan, alle Prinzipien von Bord zu werfen, um modern, aufgeschlossen und offen zu scheinen, denn es ist nicht viel mehr, als ein trügerischer Schein, dem wir uns hingeben, während sich in Europa eine schnellwachsende Parallelgesellschaft bildet, deren Nachwuchs nach wie vor bestens “funktioniert”. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß auch wir einen Richtungswechsel erfahren werden. Die Frage ist nur, ob wir uns ein solch freudloses und einengendes Leben, wie es in dieser Parallelgesellschaft praktiziert wird, wirklich vorgestellt haben, als wir anfingen, an unserer Freiheit zu arbeiten.

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