Freitag, 30. Juli 2010

Fernsehabend

Loriot Fernsehabend

“Liebling, was schauen wir uns denn an?”
 Völlig überfordert und hektisch blättert er die Fernsehzeitung durch. Sämtliche Kanäle – Gott sei Dank sind es nicht mehr als 60, werden in Windeseile durchgezappt. Doch dieses Auswahlverfahren funktioniert nicht und nach einer nicht allzulangen Zeit ist er wieder beim Ausgangskanal gelandet.
 “Also was schauen wir uns denn nun an?”
Wieder krampfhaftes Hineinstarren in die Fernsehzeitung.
“Gib mir mal die Fernbedienung!” 
Endlich hat sie es geschafft! Mit dem Herumgezappe ist es jetzt vorbei. Zuerst stellt sie einmal den Ton leiser, damit man nicht bei jeder Werbeeinschaltung von den Dezibels erschlagen wird. Dann wird ein Programm ausgesucht und von dort wird den ganzen Abend nicht mehr weggezappt, auch nicht bei den Werbeeinschaltungen, da wird lediglich auf “Lautsprecher aus” gestellt, damit man sich unterhalten kann. Worüber? Das kommt gleich!

Im Hintergrund tauchen immer noch Vorschläge auf :
”Warum schauen wir uns denn nicht xyz an? Du, auf 123 spielen sie abc, das wär’ doch was, oder?”
Dabei läuft der von ihr ausgewählte Film/Serie/Krimi  mittlerweile schon ca. 15 Minuten, genauso wie die permanent vorgeschlagenen Alternativen. Das Suchen nach einem Alternativprogramm verursacht beim männlichen Fernsehteilnehmer innerhalb kürzester Zeit ein derartiges Aufmerksamkeitsdefizit, daß seine Fragen irgendwann dann doch auf das laufende Programm umschwenken, und ständig erklärt werden muß, wer gerade was und warum gesagt, oder getan hat, bzw. wo denn plötzlich diese vielen handelnden Personen herkämen. Es gilt, in möglichst kurzen und prägnanten Einwürfen die Handlung und deren Personen zu erklären und dabei nicht selbst den Faden zu verlieren. Jetzt ist es gut, wenn man die Fernbedienung in der Hand hält und, während die Werbung läuft, so wie oben bereits erwähnt, die bisherige Handlung ruhig und sachlich erklären kann. Leider findet man nicht immer ungeteilte Aufmerksamkeit, denn der männliche Fernsehteilnehmer schlägt tatsächlich vor, man solle die Werbung doch nutzen, um sich noch was Interessantes auf Kanal Sowieso anzuschauen. Im Ernst? Und wer erklärt dann dieses Programm, bzw. sorgt dafür, daß man den Anschluß an das ursprüngliche Programm nicht verpaßt? Und was, wenn auf Grund eines ungewollten kurzen Fernsehschlafs völliges Chaos eintritt und man überhaupt nicht mehr weiß, in welchem Film man gerade ist?Fersehschläfer

Ich habe einen Traum: Fernsehkanäle, die für einen Teil der Zuschauer die Namen der handelnden Personen unten einblenden, inklusive Hinweis, wo diese Person nun hingeht und wo sie vorher war. Fernsehkanäle, die für einen Teil der Zuschauer ständig die Handlung in einfachen Worten einblenden. Fernsehkanäle, die bei einem langweiligen Programm den Zuschauer nicht aufwecken, weil die Werbung doppelt so laut ist.

Man träumt sehr viel beim Fernsehen und oft ist der Film/Serie/Krimi schon lange vorbei, bevor man aus seinen Träumen erwacht. Doch wenn man dann munter wird, sollte ein Butler bereit stehen, der die beiden Fernsehschläfer behutsam zu Bett trägt, damit sie ohne große Unterbrechung dort weiterträumen können……..

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