Sonntag, 18. Juli 2010

Die Mutter der Intrige

Eine perfekte Intrige läuft immer gleich ab, egal in welchem Milieu. Ob in Wirtschaft, Politik, oder in der scheinbar heilen Welt der Künstler. Die  Intrige ist nie  das Werk eines Einzelnen, sondern eines gut funktionierenden Teams, in welchem jeder eine wichtige Rolle spielt. Dabei ist das Team so aufgebaut, daß weder ein einzelnes Teammitglied, noch der Urheber selbst der Intrige bezichtigt werden kann.
Als erstes brauchen wir das Opfer der Intrige. Bestens geeignet ist jemand, der
 mit gutem Erfolg seinen Geschäften nachgeht, eigeninitiativ, idealistisch und vor allem so talentiert ist, daß es sich abzeichnet, daß noch einiges von ihm zu erwarten ist.

Jetzt kommen wir zum Urheber, zur Mutter der Intrige: Er befindet sich in einer übergeordneten Position, die nicht zwangsläufig durch mehr Talent, Fleiß, oder Leistung erworben wurde. Oft wurde diese Position schon durch eine intrigante Aktion erworben und somit hat die Mutter der Intrige bereits eine Schar Kinder der Intrige  geboren, welche stets in  Abhängigkeit zu ihr stehen werden und bei neuen Intrigen sofort und unwidersprochen die ihnen zugewiesenen Intrigenarbeiten übernehmen.

Intrigenarbeiten sind gezielte Vorbereitungen, das Opfer der Intrige (XY)  so oft wie möglich bei Gesprächen mit vollkommen Unbeteiligten  einzubinden. Dies geschieht vorzugsweise in Frageform und hat den Zweck, eine negative Grundstimmung zu erzeugen. Zum Beispiel: “Was sagen sie eigentlich dazu, wie sich XY  in dieser Situation verhalten hat? Ja, finden Sie auch, daß das nicht ganz in Ordnung war?” Oder: “Glauben Sie auch, daß XY hier ein wenig daneben lag? Ja, finden Sie das auch? Ich hatte auch ein ungutes Gefühl dabei!” Und auf diese manipulative Art  agieren nun sämtliche Kinder der Intrige,  von der Mutter der Intrige, die stets im Hintergrund bleibt, sorgfältig geführt und so lange genährt, bis sich auf wundersame Weise die allgemeine Meinung im Umlauf befindet, daß XY  bisher vollkommen zu Unrecht mit Sympathie und Lob bedacht wurde und im Grunde genommen schon längst einen “kleinen Dämpfer” in Form eines Rückschlages, oder einer anderen Widrigkeit verdient hat. Und während all dieser Intrigenarbeiten  wähnt sich XY  in bestem Einvernehmen, ja sogar in freundschaftlichem Verhältnis zur Mutter der Intrige zu sein und liefert ihr aufgrund dieses scheinbaren Nahverhältnisses auch noch weiteren Nährstoff.

Doch dann, irgendwann, beschleicht  XY ein komisches Gefühl. Ein Kollege hat eine Bemerkung gemacht, mit der man nichts anzufangen weiß, ein anderer Kollege hat partout keine Zeit sich mit ihm zu treffen und ohne triftigen Grund wurde man bei einem Projekt nicht miteinbezogen. Schön langsam dämmert es XY , daß hier irgendwas nicht stimmt. Aber da ist der Zug längst abgefahren. Irgendein fadenscheiniger Grund nötigt die Mutter der Intrige an die Öffentlichkeit zu gehen. Mit kummervollem Blick  wird beteuert, daß sie selbst am allermeisten von dieser Causa überrascht wurde und nun aber aufgrund der Vorkommnisse genötigt ist, ein Statement abzugeben. Dank der äußerst erfolgreichen Intrigenarbeit basiert diese Kundgebung auf ca. 0,1% Wahrheit und vermittelt somit sämtlichen Unbeteiligten den Eindruck, gänzlich der Wahrheit zu entsprechen. Das Opfer der Intrige steht voll im Rampenlicht, man zeigt mit dem Finger auf es, weist Verbindungen mit dieser “persona non grata” weit von sich und möchte nicht einmal in einem Atemzug mit diesem unsympathischen Zeitgenossen genannt werden.

Sämtliche Versuche des Opfers der Intrige, Licht in die Sache zu bringen, sind zum Scheitern verurteilt. Niemand wird ihm glauben, denn alle Unbeteiligten können dank der erfolgreichen, suggestiven Intrigenarbeit bestätigen, daß sie auch schon Zeuge von Verfehlungen durch XY geworden sind.
Und noch immer weiß das Opfer der Intrige nicht wirklich, wer genau hinter diesem ganzen Dilemma steckt und warum man überhaupt nichts bemerkt hat. Jetzt bleibt nur mehr der unfreiwillige Abgang.

Dann kommt für das Opfer der Intrige  eine Zeit zum nachforschen, grübeln und hadern: “Hätte ich vielleicht…….wenn ich da so entschieden hätte……daß ich das nicht bemerkt habe……?!”  Doch das ist alles nutzlos, denn  XY  war von Anfang an chancenlos und durch seine guten beruflichen Qualifikationen und wahrscheinlich auch durch ein gewisses Maß an Harmlosigkeit ein optimales Opfer.

Alle Unbeteiligten  sollten sich jedoch einmal fragen, was das für Menschen sind, die sich nie als erstes zu einem Thema äußern, sondern mittels Suggestion und Manipulation dem Gesprächspartner Äußerungen entlocken, die bisher kein Thema waren. Ein gesundes Maß an Mißtrauen ist diesen Personen entgegenzubringen, die allzu oft nur von Neid und Mißgunst und einer liebevollen Mutter der Intrige genährt wurden.